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Über intellektuelle Vielfalt in der muslimischen Tradition

Noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts hatten Pilger die Möglichkeit, in der Moschee von Mekka Rechtsgutachten von Gelehrten der vier Rechtsschulen des Islam einzuholen. Auch wenn diese sicherlich von der Richtigkeit ihres eigenen Wissens überzeugt waren, akzeptierten sie gleichzeitig, dass es verschiedene, im Islam anerkannte Wege gibt, zu korrekten Urteilen zu gelangen.

In den letzten fünfzig Jahren kam es aber in Teilen der muslimischen Welt, allen voran der arabischen, zu verheerenden Verzerrungen, an deren Ende eine unduldsame Geisteshaltung stand, die nicht bereit ist, unterschiedliche Meinung anderer, praktizierender Muslime anzuerkennen. So kann es passieren, dass einem der Vorwurf der „Bi’da“ an den Kopf geworfen wird, wenn man Dinge macht, die seit der Zeit der Salaf [der ersten muslimischen Generation] anerkannt waren. Um zu erfahren, wie und warum es zu einer solchen Degeneration des Denkens nach dem Kontakt mit der Moderne kam, sprachen wir mit Prof. Thomas Bauer.

Im Jahr 2000 wurde er als Professor für Islamwissenschaft und Arabistik an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster berufen. Im selben Jahr wurde Prof. Bauer Direktor des Instituts für Arabistik und Islamwissenschaft. Von 2002 bis 2005 war er Direktor des „Centrums für Religiöse Studien“ an der Universität Münster. Im akademischen Jahr 2006/2007 war Bauer Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin im Projekt „Die Kultur der Ambiguität“. Ab Mitte Juli ist ein gleichnamiger Titel Bauers im Buchhandel erhältlich.

Prof. Thomas Bauer: "In der islamischen Geschichte haben wir nun tatsächlich eine hohe Toleranz gegenüber Andersgläubigen"

Prof. Thomas Bauer: "In der islamischen Geschichte haben wir nun tatsächlich eine hohe Toleranz gegenüber Andersgläubigen"

Herr Prof. Bauer, wenn man sich in der Islamdebatte die verschiedenen Akteure anschaut, ist es erstaunlich, wie „Islamisten“ und „Islamkritiker“ ein ähnliches Bild vom Islam zeichnen, nämlich dass der Islam für eine Kultur der Eindeutigkeit stehe – und daher keine Meinungsverschiedenheiten zulasse. Wenn wir uns die islamische Tradition jedoch anschauen, kann diese Verklärung des Islams überhaupt den historischen Fakten standhalten?

Thomas Bauer: Es ist natürlich so, dass es zu allen Zeiten ein breites Spektrum dessen gab, was wir unter Islam zusammenfassen. Es war in der Geschichte nicht anders als heute. In der Geschichte war es aber so, dass Positionen, die sagten, wir sind die einzigen, die Recht haben, und alle anderen sind Ketzer, keine richtigen Muslime etc., die Randposition war.

Als zum Beispiel im 18. Jahrhundert die Wahhabiten aufkamen, da gab es zahlreiche Fatwas, die sagten, die Wahhabiten stehen nicht mehr auf dem Boden des Islams, weil sie alle, die anders denken, verketzern. Gerade das Verketzern des Anderen galt als etwas, was die Menschen aus dem Islam ausschließt.

In der Gegenwart ist es tatsächlich so, dass viele Menschen, und zwar gerade die „Fundamentalisten“ auf der einen Seite und die so genannten Islamkritiker auf der anderen Seite ganz genau wissen, was der wahre Islam ist, und darunter verstehen sie eine Form des Islams, die nicht den Mainstream, nicht den breiten Strom des Islams repräsentiert, wie er in der Geschichte war.

In Ihrem neuen Buch „Die Kultur der Ambiguität – Eine andere Geschichte des Islams“ kommen Sie zu dem Schluss, dass der Islam viel toleranter war und ist, als der Westen meint. Kann man das so in dieser Eindeutigkeit formulieren, oder spiegelt dieses Bild vom Islam, das im Westen vorherrscht, nicht auch die geistig-intellektuelle Lage der heutigen islamischen Welt wider?

Thomas Bauer: Man muss zwei Sachen unterscheiden. In meinem Buch spreche ich in erster Linie darüber, was ich Ambiguitätstoleranz nenne, also die Tatsache, dass man verschiedene Ansichten zulässt, dass man einzelne Lebensbereiche auch als von verschiedenen Normsystemen gleichzeitig geregelt akzeptiert. Toleranz ist etwas anderes. Toleranz ist das Zulassen von dem, was einem eigentlich zuwider ist, was man ablehnt.

Nun ist es so – die Psychologie und die Geschichte zeigen es -, dass solche Gesellschaften, die eine hohe Ambiguitätstoleranz haben, also die auch ein gleichzeitiges Nebeneinander verschiedener Werte akzeptieren können, und zwar positiv akzeptieren können, dass diese toleranter auch gegenüber dem sind, was sie eigentlich ablehnen. In der islamischen Geschichte haben wir nun tatsächlich eine hohe Toleranz gegenüber Andersgläubigen, eine wesentlich höhere Toleranz als es in Europa je der Fall war.

Wir haben aber auch ein deutliches Nachlassen dieser Toleranz in dem Augenblick, in dem eine Ideologisierung stattfand, also ab dem 19. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert dann noch stärker. Das sehen sie zum Beispiel daran, dass in der Türkei noch am Ende des Osmanischen Reichs, als ein Viertel oder ein Drittel der Bevölkerung keine Muslime waren, die Ideologie des Nationalismus dazu führte, dass die Zahl der Minderheiten enorm abgenommen hat, und dass es Verfolgungen und Vertreibungen von Minderheiten gegeben hat. Hier hat eine Übernahme einer Ideologie – und Ideologien sind prinzipiell ambiguitätsintolerant – auch dazu geführt, dass die Toleranz abgenommen hat.

Wenn man sich etwa den Disput zwischen Ghazali und Ibn Rushd anschaut, wurde in dieser Zeit sehr kontrovers und offen über Glaubensgrundlagen debattiert. Es herrschte eine geistige Dynamik, die man heute bei den zeitgenössischen Gelehrten in dieser Form nicht mehr findet. Was sind die Gründe dieser geistigen Krise in der islamischen Welt?

Thomas Bauer: Man redet oft von einer Erstarrung oder auch von einem Niedergang der islamischen Welt. Ich glaube, dass es richtig ist, von einer solchen Erstarrung erst ab dem 19. Jahrhundert zu reden. In früheren Jahrhunderten hat man intensive und kontroverse Debatten geführt. Aber in vielen davon, zum Beispiel im islamischen Recht, hat man gar nicht darauf beharrt, dass man selber recht hat, sondern gesagt, ich habe eine Position, die gilt, die andere Position gilt daneben auch.

Als man aber mit einem wirtschaftlich und militärisch übermächtigen Westen konfrontiert war, der genaue Antworten haben wollte, und dem man entgegen trat, indem man Ideologien bildete – auch islamistische Ideologien, die den westlichen Ideologien ebenbürtig waren – da hörte diese Ambiguitätstoleranz, dass man verschiedene Meinungen nebeneinander dulden kann, auf. Dies führte zu einer Erstarrung des Traditionalismus.

Der traditionelle Islam, den es ja gibt in Form von Religionsgelehrten, ist heute in der Verteidigungsposition, und kaum einer wird mehr sagen, wir sind stolz darauf, dass wir mehrere Rechtsschulen oder viele verschiedene Lesarten des Qur’ans haben. Im 19. und 20. Jahrhundert hat sich die ideologische Antwort als die attraktivere herausgestellt, und so haben wir heute die vielen fundamentalistischen – ich nenne sie einmal so – Strömungen einerseits, andererseits liberale, wesentlich sympathischere Strömungen, die aber auch sehr eindeutig auf ihre Position verharren und die Vielfalt nicht zulassen.

Was ich mir vorstellen kann, ist, dass man heute – nach dem Mentalitätswandel und dem Verschwinden der alten Autoritätshörigkeit, wie sich das im „arabischen Frühling“ gezeigt hat – bald wieder mehr Mut haben wird, die alte klassische Vielfalt wieder zu entdecken und für die Moderne nutzbar zu machen.

Heute beobachtet man sowohl bei so genannten „liberalen“ Muslimen als auch bei „konservativen“ Muslimen die Haltung, dass sie bestimmte Verse richtig deuten, und dass die jeweilige andere Seite es eben falsch deute. Wie war das bei den Gelehrten im klassischen Islam?

Thomas Bauer: Es gab natürlich immer unterschiedliche Grade der Rechthaberei. Aber wenn sie jetzt in einen ganz normalen – und ich verwende es in Anführungszeichen – „orthodoxen“ Korankommentar schauen, erkennt man schnell diese Vielfalt. Mein Lieblingsbeispiel ist Al-Mawardi, weil er auch noch die unterschiedlichen Deutungen durchnummeriert. Das sieht dann etwa so aus: „Zu diesem Vers gibt es sechs verschiedene Deutungen“, und dann listet er sechs Deutungen auf, die aus verschiedenen Epochen von verschiedenen Gelehrten kommen können, und dann fügt er manchmal noch hinzu, ja es wäre aber auch noch eine siebte Deutung möglich. Das ist dann seine eigene, aber er ist weit davon entfernt zu sagen, dass diese die einzig richtige ist, sondern eine, die eventuell auch noch stimmen könnte. Von diesen sieben Deutungen kann es sein, dass nicht alle stimmen. Manchmal sagt er ausdrücklich, diese Ansicht ist aber weit her geholt. Aber dass nur eine der verschiedenen Deutungen stimmen kann, das meint er nicht, denn er geht davon aus, dass Gott in den Qur’an so viele Deutungen hineingelegt hat, dass man daraus zu allen Zeiten etwas neues herausfinden kann.

Der Qur’angelehrte Ibn Al-Dschazari aus dem 14. Jahrhundert hat etwa gefragt, warum es nach Mohammad keine weiteren Propheten mehr geben muss. Seine Antwort war: Das liegt daran, dass im Qu’ran alle Deutungen für die Zukunft schon angelegt sind. Solche, die man schon entdeckt hat, und solche, die man erst in der Zukunft entdecken wird. Eine solche Offenheit dem offenbarten Text gegenüber findet man heute in vielen Kreisen nicht mehr.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass der Islam nicht so engstirnig sei, wie es heute von einigen Strömungen behauptet wird. Was waren die Gründe für diese Entwicklung?

Thomas Bauer: Es ist ja so, dass Menschen in aller Regel nicht Normen leben. Das tun wir heute auch nicht. Aber wenn wir Normen akzeptieren, dann glauben wir, dass wir sie eigentlich leben müssten, und dass sich diese Normen in ein einheitliches, widerspruchsfreies und in sich stimmiges System fügen, das Stütze unserer Identität ist. Dieses Bedürfnis nach einer einheitlichen, in sich restlos stimmigen Identität, die wir auch tagaus tagein versuchen zu leben, das gab es offensichtlich über viele Jahrhunderte hinweg in diesem Ausmaß nicht.

Was waren die Gründe dafür, dass ab dem 19. Jahrhundert die Mehrdeutigkeit aufhörte? Was für eine Rolle spielten modernistische Strömungen im Islam dabei?

Thomas Bauer: Es ist ein Konglomerat von gesellschaftlichen, politischen und anderen Ursachen, die ja auch von Region zu Region keineswegs einheitlich waren. Es lässt sich soviel sagen, dass einige Ansätze, die wohl in der islamischen Welt selber ihren Ursprung haben wie der Wahhabismus – allerdings in einer peripheren Region mit erst einmal sehr wenig Resonanz – etwas anstießen, was dann weitere Verbreitung fand, weil es die Möglichkeit gab, aus islamischem Material eine Ideologie zu formen, mit der man westlichen Herausforderungen etwas entgegensetzen konnte. Vieles war politisch motiviert. Panislamismus, die Muslimbrüder, verschiedene salafitische Strömungen, und dies in Konkurrenz zu noch offensichtlicher westlichen Ideologien wie Nationalismus und Kommunismus: Eine ideologische Welle löste die andere ab, und in diesen ideologischen Kämpfen, die vielfach nur die ideologischen Auseinandersetzungen in Europa widerspiegeln, bildeten sich neue Auffassungen über das, was als „richtiger“ Islam zu gelten hat, heraus und es entstanden Strömungen, die den Islam viel ideologischer und starrer sahen als dies vorher der Fall gewesen war.

Man kann hoffen, dass wir jetzt wieder in ein post-ideologisches Zeitalter eintreten. Ich habe an einer Stelle in meinem Buch ja gesagt, dass viele Herangehensweisen etwa an die Pluralität der Lesarten des Qur’ans an postmoderne Zugänge zu Texten erinnern, und dass eine in diesem Sinne postmoderne Entwicklung vielleicht wieder vor der Tür steht.

Lieber Herr Prof. Bauer, wir bedanken uns für das Gespräch.

Zusammenfluss der Kulturen

“Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen” – mit ihrem Buch “Kampfabsage” belegen der Bestseller-Autor Ilija Trojanow und der indische Dichter und Kulturkritiker Ranjit Hoskoté die vielen Verknüpfungen zwischen den Kulturen und ihre gegenseitige Bereicherung.

Das Schlagwort vom “Kampf der Kulturen” prägt seit dem Ende des Kalten Krieges die Welt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion musste ein neues Feindbild her. Der “Kampf der Kulturen” füllte die Lücke und schürte damit Konflikte. In ihrem neuen Buch “Kampfabsage” entlarven der Bestseller-Autor Ilija Trojanow (“Der Weltensammler”) und der indische Dichter und Kulturkritiker Ranjit Hoskoté anhand vieler Beispiele die Unsinnigkeit der Kulturkampfthese. Die These vom “Clash of Civilizations” wird oft mit Huntington in Verbindung gebracht. Ursprünglich wurde diese These jedoch vom Islamwissenschaftler Bernard Lewis geprägt, bei dem sich -so Trojanow – einfühlsames Interesse im Lauf seiner Karriere in gehässige Verbitterung gegenüber den Menschen, der Religion und den Gesellschaften gewandelt habe. “Er glaubt heute, eine Art Demokratie von oben, aufgezwungen in einer Art und Weise, die Sheriff Wyatt Earp gefallen hätte, sei die beste Lösung für die Probleme der islamischen Gesellschaft.” Diese Lösung wurde zur offiziellen Richtlinie der Regierung Bush in Afghanistan und im Irak. Die These von Lewis wurde erst später von Huntington aufgegriffen und zum Schlagwort, mit dem man den Krieg gegen den Terror rechtfertigte.

Die Lewis-Huntington-These unterteilt dabei die Menschheit willkürlich in “acht oder neun Kulturkreise” und betont die Verwerfungslinien zwischen diesen “Kulturen”, die aufgrund tiefgreifender unterschiedlicher Werte in einem Zustand des Konflikts leben würden. Trojanow und Hoskoté zeigen in ihrem Buch anhand von Beispielen und historischen Fakten humorvoll wie Huntingtons Darstellung unzusammenhängend und in sich widersprüchlich ist. Typische westliche Errungenschaften sind laut Huntington Christentum, Demokratie, Pluralismus, Individualismus und Rechtsstaatlichkeit. Trojanow und Hoskoté stellen aber fest, “wo die philosophischen Quellen, die persönlichen Beispiele, die mythische Infrastruktur und das Grundgerüst dafür liegen – nämlich im Mittelmeerraum, in al-Andalus, im arabischen Aristotelismus und in den Gedanken, Geschichten und Manuskripten, die unbeschwert von einer Gesellschaft in die andere wechseln, ohne Rücksicht auf die angeblich absoluten Verwerfungslinien zwischen den kulturellen Blöcke zu nehmen”.

Auch wird in “Kampfabsage” die Behauptung, das Abendland sei durch seine jüdisch-christliche Tradition geprägt, widerlegt. Trojanow und Hoskoté zeigen, dass der Ursprung der wichtigsten westlichen Werte, Technologien und kulturellen Errungenschaften im Mittelmeerraum des 9. bis. 15. Jahrhunderts zu finden seien, vor allem im muslimischen Herrschaftsgebiet al-Andalus und im arabisierten normannischen Königreich Sizilien. “Ibn Sina und Ibn Rushd”, so Trojanow, “versahen zusammen mit Aristoteles und Platon die unabhängigen Denker der Christenheit mit dem intellektuellen und moralischen Rüstzeug, sich gegen die erdrückende Orthodoxie der Kirche zu wenden; eine Befreiungsbewegung, die schließlich in der Renaissance mündete.”

Die beiden Autoren stellen aber auch klar, dass ihnen kein naives pazifistisches Ideal vorschwebe, sie behaupten nicht, dass der Zusammenfluss ein friedlicher Prozess sei. “Wenn unterschiedliche Lebenswelten aufeinander treffen, kommt es unausweichlich zu Konflikten.” Aber es gibt darin keine Sieger und keine Besiegten, sondern nur das große Erbe der Gemeinsamkeiten.

Nach Trojanow hat die Wirklichkeit mehr mit der unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Machtverteilung zu tun als mit fundamentalen kulturellen Unterschieden. Zivilisationen seien nie reine, in sich geschlossene Einheiten gewesen, sondern erstaunliche Mischformen. Historisch gesehen entwickelten sie sich durch Austausch und Synthese, durch Begegnung verschiedener Rassen, Religionen und Philosophie, so die Feststellung von Trojanow und Hoskoté. “Bei der Betrachtung von Zivilisationen und Kulturkreisen sind die Unterschiede, die die Menschen trennen, bei weiten nicht so wichtig wie das Erbe, das die Menschen über Grenzen hinweg verbindet. Haltbarer als die These vom “Kampf der Kulturen” ist die Sichtweise, dass die Fronten quer durch unsere Gesellschaften und nicht zwischen Kulturkreisen und Nationalstaaten verlaufen.” Die alte Trennung zwischen “uns” und “den Anderen” könne nur zur Grausamkeit gegen das Andere führen, zur Brutalisierung des Selbst und zur beiderseitigen Bereitschaft zur gegenseitigen Vernichtung.

Den Zusammenfluss der Kulturen betrachten Trojanow und Hoskoté heute durch die verschiedenen Kräfte der Ausgrenzung und Abschottung als gefährdet. Mit Terror und der Verweigerung des Dialogs versuchten diese Kräfte, den Zusammenfluss zu verhindern. In diesem Denken ähneln sich die christlichen Rechten, die Neokonservativen, die radikalen Islamisten und etwa auch die Hindutva-Bewegung in Indien, die den Hinduismus vor seinem “historischen Feind”, dem Islam, beschützen will. “Der Kreuzzug von US-Präsident Bush”, schreibt Trojanow, “ist gegenüber den verschiedenen Schattierungen der Vielfalt so blind wie Bin Laden. Sie sind Zwillinge des Terrors, Spiegelbilder in dem Wunsch, die kulturelle Schaffenskraft einzuschränken.”

Trojanow und Hoskoté betonen, dass es moralisch und strategisch höchste Zeit sei zu akzeptieren, dass es nur eine Regel für uns alle gebe, nämlich die Regel des gegenseitiges Mitgefühls und Verständnisses.

In ihrem Buch suchen die beiden Autoren nach Verbindungen, die manchmal untergegangen sind, “die jedoch Menschen über die so genannten Verwerfungslinien zwischen Zivilisationen und Kulturen hinweg zusammengeführt haben”, und zeigen, dass Zivilisationen miteinander verwoben sind, und eben nicht in Konflikt miteinander liegen, sondern zusammenfließen. “Deswegen”, so Trojanow, “müssen wir uns gegen all jene wehren, die uns im Namen des Unterschieds gegeneinander aufbringen und uns für die globale Kriegsmaschinerie rekrutieren wollen.”

Veröffentlicht in: http://www.z-zukunft.eu/?2008-04,titel-cover,024

Ilija Trojanw, Ranjit Hoskoté

Kampfabsage

Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen

Übersetzt von Heike Schlatterer

Gebundenes Buch, 240 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-89667-363-3
€ 17,95 [D] | € 18,50 [A]| SFr 31,90 (UVP)Unverbindliche Preisempfehlung

Verlag: Blessing

Erscheinungstermin: September 2007