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Über intellektuelle Vielfalt in der muslimischen Tradition

Noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts hatten Pilger die Möglichkeit, in der Moschee von Mekka Rechtsgutachten von Gelehrten der vier Rechtsschulen des Islam einzuholen. Auch wenn diese sicherlich von der Richtigkeit ihres eigenen Wissens überzeugt waren, akzeptierten sie gleichzeitig, dass es verschiedene, im Islam anerkannte Wege gibt, zu korrekten Urteilen zu gelangen.

In den letzten fünfzig Jahren kam es aber in Teilen der muslimischen Welt, allen voran der arabischen, zu verheerenden Verzerrungen, an deren Ende eine unduldsame Geisteshaltung stand, die nicht bereit ist, unterschiedliche Meinung anderer, praktizierender Muslime anzuerkennen. So kann es passieren, dass einem der Vorwurf der „Bi’da“ an den Kopf geworfen wird, wenn man Dinge macht, die seit der Zeit der Salaf [der ersten muslimischen Generation] anerkannt waren. Um zu erfahren, wie und warum es zu einer solchen Degeneration des Denkens nach dem Kontakt mit der Moderne kam, sprachen wir mit Prof. Thomas Bauer.

Im Jahr 2000 wurde er als Professor für Islamwissenschaft und Arabistik an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster berufen. Im selben Jahr wurde Prof. Bauer Direktor des Instituts für Arabistik und Islamwissenschaft. Von 2002 bis 2005 war er Direktor des „Centrums für Religiöse Studien“ an der Universität Münster. Im akademischen Jahr 2006/2007 war Bauer Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin im Projekt „Die Kultur der Ambiguität“. Ab Mitte Juli ist ein gleichnamiger Titel Bauers im Buchhandel erhältlich.

Prof. Thomas Bauer: "In der islamischen Geschichte haben wir nun tatsächlich eine hohe Toleranz gegenüber Andersgläubigen"

Prof. Thomas Bauer: "In der islamischen Geschichte haben wir nun tatsächlich eine hohe Toleranz gegenüber Andersgläubigen"

Herr Prof. Bauer, wenn man sich in der Islamdebatte die verschiedenen Akteure anschaut, ist es erstaunlich, wie „Islamisten“ und „Islamkritiker“ ein ähnliches Bild vom Islam zeichnen, nämlich dass der Islam für eine Kultur der Eindeutigkeit stehe – und daher keine Meinungsverschiedenheiten zulasse. Wenn wir uns die islamische Tradition jedoch anschauen, kann diese Verklärung des Islams überhaupt den historischen Fakten standhalten?

Thomas Bauer: Es ist natürlich so, dass es zu allen Zeiten ein breites Spektrum dessen gab, was wir unter Islam zusammenfassen. Es war in der Geschichte nicht anders als heute. In der Geschichte war es aber so, dass Positionen, die sagten, wir sind die einzigen, die Recht haben, und alle anderen sind Ketzer, keine richtigen Muslime etc., die Randposition war.

Als zum Beispiel im 18. Jahrhundert die Wahhabiten aufkamen, da gab es zahlreiche Fatwas, die sagten, die Wahhabiten stehen nicht mehr auf dem Boden des Islams, weil sie alle, die anders denken, verketzern. Gerade das Verketzern des Anderen galt als etwas, was die Menschen aus dem Islam ausschließt.

In der Gegenwart ist es tatsächlich so, dass viele Menschen, und zwar gerade die „Fundamentalisten“ auf der einen Seite und die so genannten Islamkritiker auf der anderen Seite ganz genau wissen, was der wahre Islam ist, und darunter verstehen sie eine Form des Islams, die nicht den Mainstream, nicht den breiten Strom des Islams repräsentiert, wie er in der Geschichte war.

In Ihrem neuen Buch „Die Kultur der Ambiguität – Eine andere Geschichte des Islams“ kommen Sie zu dem Schluss, dass der Islam viel toleranter war und ist, als der Westen meint. Kann man das so in dieser Eindeutigkeit formulieren, oder spiegelt dieses Bild vom Islam, das im Westen vorherrscht, nicht auch die geistig-intellektuelle Lage der heutigen islamischen Welt wider?

Thomas Bauer: Man muss zwei Sachen unterscheiden. In meinem Buch spreche ich in erster Linie darüber, was ich Ambiguitätstoleranz nenne, also die Tatsache, dass man verschiedene Ansichten zulässt, dass man einzelne Lebensbereiche auch als von verschiedenen Normsystemen gleichzeitig geregelt akzeptiert. Toleranz ist etwas anderes. Toleranz ist das Zulassen von dem, was einem eigentlich zuwider ist, was man ablehnt.

Nun ist es so – die Psychologie und die Geschichte zeigen es -, dass solche Gesellschaften, die eine hohe Ambiguitätstoleranz haben, also die auch ein gleichzeitiges Nebeneinander verschiedener Werte akzeptieren können, und zwar positiv akzeptieren können, dass diese toleranter auch gegenüber dem sind, was sie eigentlich ablehnen. In der islamischen Geschichte haben wir nun tatsächlich eine hohe Toleranz gegenüber Andersgläubigen, eine wesentlich höhere Toleranz als es in Europa je der Fall war.

Wir haben aber auch ein deutliches Nachlassen dieser Toleranz in dem Augenblick, in dem eine Ideologisierung stattfand, also ab dem 19. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert dann noch stärker. Das sehen sie zum Beispiel daran, dass in der Türkei noch am Ende des Osmanischen Reichs, als ein Viertel oder ein Drittel der Bevölkerung keine Muslime waren, die Ideologie des Nationalismus dazu führte, dass die Zahl der Minderheiten enorm abgenommen hat, und dass es Verfolgungen und Vertreibungen von Minderheiten gegeben hat. Hier hat eine Übernahme einer Ideologie – und Ideologien sind prinzipiell ambiguitätsintolerant – auch dazu geführt, dass die Toleranz abgenommen hat.

Wenn man sich etwa den Disput zwischen Ghazali und Ibn Rushd anschaut, wurde in dieser Zeit sehr kontrovers und offen über Glaubensgrundlagen debattiert. Es herrschte eine geistige Dynamik, die man heute bei den zeitgenössischen Gelehrten in dieser Form nicht mehr findet. Was sind die Gründe dieser geistigen Krise in der islamischen Welt?

Thomas Bauer: Man redet oft von einer Erstarrung oder auch von einem Niedergang der islamischen Welt. Ich glaube, dass es richtig ist, von einer solchen Erstarrung erst ab dem 19. Jahrhundert zu reden. In früheren Jahrhunderten hat man intensive und kontroverse Debatten geführt. Aber in vielen davon, zum Beispiel im islamischen Recht, hat man gar nicht darauf beharrt, dass man selber recht hat, sondern gesagt, ich habe eine Position, die gilt, die andere Position gilt daneben auch.

Als man aber mit einem wirtschaftlich und militärisch übermächtigen Westen konfrontiert war, der genaue Antworten haben wollte, und dem man entgegen trat, indem man Ideologien bildete – auch islamistische Ideologien, die den westlichen Ideologien ebenbürtig waren – da hörte diese Ambiguitätstoleranz, dass man verschiedene Meinungen nebeneinander dulden kann, auf. Dies führte zu einer Erstarrung des Traditionalismus.

Der traditionelle Islam, den es ja gibt in Form von Religionsgelehrten, ist heute in der Verteidigungsposition, und kaum einer wird mehr sagen, wir sind stolz darauf, dass wir mehrere Rechtsschulen oder viele verschiedene Lesarten des Qur’ans haben. Im 19. und 20. Jahrhundert hat sich die ideologische Antwort als die attraktivere herausgestellt, und so haben wir heute die vielen fundamentalistischen – ich nenne sie einmal so – Strömungen einerseits, andererseits liberale, wesentlich sympathischere Strömungen, die aber auch sehr eindeutig auf ihre Position verharren und die Vielfalt nicht zulassen.

Was ich mir vorstellen kann, ist, dass man heute – nach dem Mentalitätswandel und dem Verschwinden der alten Autoritätshörigkeit, wie sich das im „arabischen Frühling“ gezeigt hat – bald wieder mehr Mut haben wird, die alte klassische Vielfalt wieder zu entdecken und für die Moderne nutzbar zu machen.

Heute beobachtet man sowohl bei so genannten „liberalen“ Muslimen als auch bei „konservativen“ Muslimen die Haltung, dass sie bestimmte Verse richtig deuten, und dass die jeweilige andere Seite es eben falsch deute. Wie war das bei den Gelehrten im klassischen Islam?

Thomas Bauer: Es gab natürlich immer unterschiedliche Grade der Rechthaberei. Aber wenn sie jetzt in einen ganz normalen – und ich verwende es in Anführungszeichen – „orthodoxen“ Korankommentar schauen, erkennt man schnell diese Vielfalt. Mein Lieblingsbeispiel ist Al-Mawardi, weil er auch noch die unterschiedlichen Deutungen durchnummeriert. Das sieht dann etwa so aus: „Zu diesem Vers gibt es sechs verschiedene Deutungen“, und dann listet er sechs Deutungen auf, die aus verschiedenen Epochen von verschiedenen Gelehrten kommen können, und dann fügt er manchmal noch hinzu, ja es wäre aber auch noch eine siebte Deutung möglich. Das ist dann seine eigene, aber er ist weit davon entfernt zu sagen, dass diese die einzig richtige ist, sondern eine, die eventuell auch noch stimmen könnte. Von diesen sieben Deutungen kann es sein, dass nicht alle stimmen. Manchmal sagt er ausdrücklich, diese Ansicht ist aber weit her geholt. Aber dass nur eine der verschiedenen Deutungen stimmen kann, das meint er nicht, denn er geht davon aus, dass Gott in den Qur’an so viele Deutungen hineingelegt hat, dass man daraus zu allen Zeiten etwas neues herausfinden kann.

Der Qur’angelehrte Ibn Al-Dschazari aus dem 14. Jahrhundert hat etwa gefragt, warum es nach Mohammad keine weiteren Propheten mehr geben muss. Seine Antwort war: Das liegt daran, dass im Qu’ran alle Deutungen für die Zukunft schon angelegt sind. Solche, die man schon entdeckt hat, und solche, die man erst in der Zukunft entdecken wird. Eine solche Offenheit dem offenbarten Text gegenüber findet man heute in vielen Kreisen nicht mehr.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass der Islam nicht so engstirnig sei, wie es heute von einigen Strömungen behauptet wird. Was waren die Gründe für diese Entwicklung?

Thomas Bauer: Es ist ja so, dass Menschen in aller Regel nicht Normen leben. Das tun wir heute auch nicht. Aber wenn wir Normen akzeptieren, dann glauben wir, dass wir sie eigentlich leben müssten, und dass sich diese Normen in ein einheitliches, widerspruchsfreies und in sich stimmiges System fügen, das Stütze unserer Identität ist. Dieses Bedürfnis nach einer einheitlichen, in sich restlos stimmigen Identität, die wir auch tagaus tagein versuchen zu leben, das gab es offensichtlich über viele Jahrhunderte hinweg in diesem Ausmaß nicht.

Was waren die Gründe dafür, dass ab dem 19. Jahrhundert die Mehrdeutigkeit aufhörte? Was für eine Rolle spielten modernistische Strömungen im Islam dabei?

Thomas Bauer: Es ist ein Konglomerat von gesellschaftlichen, politischen und anderen Ursachen, die ja auch von Region zu Region keineswegs einheitlich waren. Es lässt sich soviel sagen, dass einige Ansätze, die wohl in der islamischen Welt selber ihren Ursprung haben wie der Wahhabismus – allerdings in einer peripheren Region mit erst einmal sehr wenig Resonanz – etwas anstießen, was dann weitere Verbreitung fand, weil es die Möglichkeit gab, aus islamischem Material eine Ideologie zu formen, mit der man westlichen Herausforderungen etwas entgegensetzen konnte. Vieles war politisch motiviert. Panislamismus, die Muslimbrüder, verschiedene salafitische Strömungen, und dies in Konkurrenz zu noch offensichtlicher westlichen Ideologien wie Nationalismus und Kommunismus: Eine ideologische Welle löste die andere ab, und in diesen ideologischen Kämpfen, die vielfach nur die ideologischen Auseinandersetzungen in Europa widerspiegeln, bildeten sich neue Auffassungen über das, was als „richtiger“ Islam zu gelten hat, heraus und es entstanden Strömungen, die den Islam viel ideologischer und starrer sahen als dies vorher der Fall gewesen war.

Man kann hoffen, dass wir jetzt wieder in ein post-ideologisches Zeitalter eintreten. Ich habe an einer Stelle in meinem Buch ja gesagt, dass viele Herangehensweisen etwa an die Pluralität der Lesarten des Qur’ans an postmoderne Zugänge zu Texten erinnern, und dass eine in diesem Sinne postmoderne Entwicklung vielleicht wieder vor der Tür steht.

Lieber Herr Prof. Bauer, wir bedanken uns für das Gespräch.

Liberaler vs. konservativer Islam?

Am Kern oder den Grundwahrheiten einer Religion festzuhalten, hat nichts mit konservativ zu tun. Liberal ist heute ein genauso substanzloser Begriff wie konservativ. Der Unterschied ist allein: liberal wird positiv aufgefasst und konservativ negativ.

Eren Güvercin: "Die beiden Ausformungen des politischen Islam, in Form einer „liberalen“ und „konservativen“ Ausrichtung, spiegeln in keiner Weise die Lebenswirklichkeit der Muslime in Deutschland wider."

Eren Güvercin: "Die beiden Ausformungen des politischen Islam, in Form einer „liberalen“ und „konservativen“ Ausrichtung, spiegeln in keiner Weise die Lebenswirklichkeit der Muslime in Deutschland wider." (Foto: Volker Hackmann)

Es sind nur Schlagworte, mit denen man freilich kräftig zuschlagen kann. Eine Religion sollte doch aus ihren eigenen Wahrheiten zu Selbstbestimmungen gelangen. Denn ihre Wahrheit hat es nicht mit den schwankenden und leicht veränderlichen Mutmaßungen oder Wünschbarkeiten des gesellschaftlichen oder politischen Lebens zu tun. Von heute auf morgen kann die CDU in der Frage der Nutzung der Atomkraft zu völlig neuen Entschlüssen gelangen. Eine Partei beruht nicht unbedingt auf Prinzipien, sie kann ihre Grundsätze so hoch halten, dass man bequem darunter hinweg laufen kann.

Religionen reden von der Wahrheit, die nicht der Zeit und der Aktualität unterworfen sind, die vielmehr den in den wechselnden Zeiten Lebenden Halt und Orientierung geben können. Zeiten, in denen nur noch mit stets überholbaren Wissensbeständen auf einem Markt der Möglichkeiten gerechnet wird, empfinden den Wahrheitsanspruch als Herausforderung. In einer auch geistig vollendeten Marktwirtschaft, die neuwertige Angebote verlangt, täglich frisch auf den Tisch, ist die dauernde Wahrheit ein Skandal. Eine Religion, die sich dazu entschließt, Meinungen und Möglichkeiten in bunter Vielfalt anzubieten, um Kunden zufriedenzustellen, verfehlt ihre Aufgabe. Bei aller Vielfalt in zweitrangigen Sachen – eine Einheit muss die Vielfalt schon zusammenhalten, ein Band, das viele Blüten umschlingt und sie damit zu einem Strauß macht und die Vielen geeint beieinander hält.

Sowohl der sogenannte „liberale“ als auch der „konservative“ Islam, der sich in der aktuellen Islamdebatte kristallisiert, sind Ausformungen eines politischen Islam. Bisher hatten immer äußere Faktoren dazu geführt, dass mal die eine und mal die andere Form des ideologischen Islams Hochkonjunktur hatte. Der von der herrschenden Meinung kritisierte „konservative“ politische Islam ist vor allem in Folge der Krise des arabischen Nationalismus entstanden. Der französischer Politikwissenschaftler Gilles Kepel etwa sieht zurecht in der Reduktion des Islam auf eine politische Bewegung ein neues Phänomen, mit einer Mischform westlich-politischen Denkens und Islam. In der deutschen Islamdebatte versuchen beide Formen des politischen Islam, in Form einer „liberalen“ und „konservativen“ Ausrichtung, den alleinigen Vertretungsanspruch geltend zu machen. Während „konservative“ Verbände wie etwa Milli Görüş stolz auf ihre zahlreichen Moscheen und Mitgliederzahlen verweisen, betonen die Vertreter eines ‚liberalen‘ Islam wie etwa der Liberal-Islamischer Bund (LIB), dass sie die „schweigende Mehrheit“ der Muslime vertreten würden, die sich eben nicht durch die ‚konservativen‘ Verbände angesprochen fühlen. Wie viel Mitglieder der LIB in Wirklichkeit hat, ist nicht bekannt.

Die Lebenswirklichkeit der Muslime
Diese beiden Ausformungen des politischen Islam spiegeln jedoch in keiner Weise die Lebenswirklichkeit der Muslime wider. Den Muslimen ist aus ihrer Geschichte heraus ein durchorganisierter Islam mit Mitgliederverzeichnissen und Vereinsstrukturen eher fremd. Vielmehr haben zivilgesellschaftliche Initiativen wie etwa die Stiftungen (Awqaf) eine wichtige Rolle gespielt. In den Stiftungen geht es nicht wie bei den Verbänden mit ihrem Vertretungsanspruch um den Willen zur Macht, sondern es geht um eine zivilgesellschaftliche Beteiligung. Lokale Einrichtungen wie etwa die Moscheen, Märkte und Stiftungen haben das gesellschaftliche Leben ausgemacht und waren spiritueller, sozialer und ökonomischer Natur. Der politische Islam – egal welcher Couleur – löst eben diese gemeinschaftliche Lebenspraxis auf. Dabei kopiert der politische Islam westliche Vorbilder und die Idee, dass Macht organisierter Wille sei. Gerade heute spielt etwa die Etablierung von Stiftungen als eine Ausprägung authentisch islamischer Gemeinschaftsstrukturen eine wichtige Rolle, um schlussendlich einen Mittelweg zwischen Individualismus und Verbandskultur zu finden. Denn Stiftungen sind mehr als nur Politik oder Kultur.

Hier kann die neue Initiative junger Muslime mit dem Namen „Alternative Islamkonferenz“, die von dem Schriftsteller und ehemaligen Teilnehmer der Islamkonferenz Feridun Zaimoğlu unterstützt wird, einen fruchtbaren Impuls geben. Denn es ist höchste Zeit, dass die deutschen Muslime die ewige Dialektik zwischen einem „liberalen“ und „konservativen“ Islam überwinden und eine Debattenkultur etablieren, um die relevanten Fragen unserer Zeit auch kontrovers zu diskutieren. Statt nur in der Öffentlichkeit übereinander zu sprechen und dabei durch die Verwendung von Labels wie „liberal“ oder „konservativ“ die Dialektik zu vertiefen, muss mehr miteinander debattiert werden.

Politisierung der Lehre
Bisher hat sowohl der von Politik und Medien geförderte „liberale“ politische Islam als auch der sich ethnisch abgrenzende „konservative“ politische Islam die freie islamische Zivilgesellschaft verhindert und durch Kontrolle ersetzt. Der natürliche Feind der Stiftung ist der Verbandsfunktionär, denn der politische Islam stellt mit seinem Willen zur Macht die Politik über das Recht und gefährdet somit auch die Unabhängigkeit der Lehre. Ein muslimischer Denker sagte einmal, dass der Islam korrupte Politiker überlebe, nicht aber korrupte Ulama (Theologen). Diese Politisierung der islamischen Lehre mündet in dem Denken, dass jemand, der nur einmal in der Woche das islamische rituelle Gebet verrichtet – überspitzt formuliert – als „liberal“ und „aufgeklärt“ gilt, wohingegen jemand, der das Gebet gemäß der Orthodoxie praktiziert als „konservativ“ oder „nicht aufgeklärt“ markiert wird.

Diese von außen seitens der Politik und Gesellschaft aufgezwungene Dialektik wird bewusst oder unbewusst von den „liberalen“ Vertretern des politischen Islams bedient. Der entscheidende Punkt ist aber, dass man weder „liberal“ noch „konservativ“ beten kann, weswegen sich auch die Muslime gegen die Politisierung ihrer über Jahrhunderte unumstrittenen Riten der islamischen Lebenspraxis wehren. Der öffentliche Druck, der einen „guten Islam“, also einen relativierenden Islam schaffen will, findet an der Basis keine Resonanz.

Aber auch unter deutschen Islamwissenschaftlern melden sich immer mehr kritische Stimmen, die sich gegen diese Politisierung richten. Der Islamwissenschaftler Dr. Rainer Brunner, der am Centre national de la recherche scientifique (CNRS) in Paris forscht, beobachtet mit einer gewissen Ambivalenz die Etablierung der Lehrstühle für Islamische Theologie an deutschen Universitäten. „Die ganze Angelegenheit einer Gründung der islamischen Theologie scheint mir politisch gewollt zu sein. Das hat natürlich dann wiederum in Verbindung mit verschiedenen anders gelagerten politischen Debatten der letzten zehn Jahre – etwa die Sicherheitspolitik – eine wie ich finde geradezu groteske Überforderung und auch Erwartungshaltung der Politik zur Folge“, so Brunner. Man wolle hier einen aufgeklärten Islam europäischen Zuschnitts etablieren, ohne dass es dafür im Augenblick sichtbar irgendwelche strukturellen und personellen Voraussetzungen gebe, betont Brunner. An deutschen Universitäten sollen zukünftig nicht nur Imame ausgebildet werden, sondern gleichzeitig auch Kompetenzen in Sozial- und Integrationsarbeit den zukünftigen Imamen vermittelt werden. Dadurch betreibe man – und das ist Brunners Hauptkritikpunkt – eine weitgehende „entsäkularisierte Islamisierung der Integrationsdebatte“.

Zähmungsinteresse des Staates
Erst kürzlich sprach der Münsteraner Jurist, Christian Walter, im Zusammenhang mit der Einrichtung islamisch-theologischer Zentren von einem „legitimen Zähmungsinteresse“ des Staates. Diese Herangehensweise ist aber mehr als bedenklich. Denn es gehört nicht zu den Aufgaben eines Staates, was für eine Theologie gelehrt wird oder nicht. Das ist allein die Aufgabe der Muslime selbst. Auch wenn die Bundesbildungsministerin Annette Schavan darauf hinweist, dass ein aufgeklärter Islam die Muslime vor Aberglaube oder Irrglaube schützen solle, ist es nicht Aufgabe des Staates zu beurteilen, was nun Aberglaube oder Irrglaube ist. Von einem wie auch immer gearteten Zähmungsinteresse des Staates hält Brunner wenig: „Was nun diese Erwartung anbelangt ein ‘Zähmungsinteresse’ zu haben, halte ich es da eher mit dem französischen Islamwissenschaftler Olivier Roy, der die These vertritt, die Entkoppelung der Religion – er spricht dabei nicht nur von einer Religion, sondern von Religion allgemein – von der umgebenden Kultur sei ein Hauptmotiv oder ein Hauptgrund für die Radikalisierung von Religionen.“ Wenn man dieser These folge, so Brunner, dann mute ihm der Versuch über eine staatlich protegierte Theologie, eine Religion zähmen zu wollen, eher wie dem Versuch den Senf wieder in die Tube zurückzudrücken.

Auch den gläubigen Christen ist dies sehr vertraut, da viele katholische Christen und noch mehr die protestantischen vor dem Anspruch der Politiker, alles zu politisieren, kapituliert haben.

Von Carl Schmitt weißt man, dass man alle Lebensbereiche politisieren, ideologisch – politisch durchdringen kann. Religiöse und nicht politische Christen – ein Unterschied, den der Kirchenrechtler Hans Barion machte – kämpfen um einen Freiraum in der Gesellschaft und auch in ihrer Kirche, in dem sie unbelästigt von politischer Manipulation und gesellschaftlicher Indoktrination ihrem Glauben mit Glaubensgenossen leben können.

Ohne Etikette
Manche muslimischen Gemeinschaften machen die gleichen Fehler wie schon längst die Christen. Ein liberaler oder konservativer Islam ist eine ähnlich inhaltslose Ärgerlichkeit, wie ein liberales oder konservatives Christentum. Sowohl im Islam wie im Christentum geht es um die Wahrheit, die den Einzelnen aufruft und verpflichtet. Sie steht jenseits und über den wechselnden politischen Konstellationen.

Immer wieder gibt es die Klage deutscher Politiker, dass der Dialog mit den Muslimen so schwer falle, weil keine Einrichtung wie die Kirche mit Autorität für alle sprechen könne. Der Staat lechzt aus Angst vor der Freiheit, die seine Verfassung verspricht, nach Funktionären, die mit ihresgleichen, eben mit Funktionären verhandeln und Verträge schließen. Der Staat denkt in Apparaten und will, dass Glaubensgemeinschaften in diesem Sinne funktionieren. Die meisten Muslime wollen ganz einfach ihre Religion leben, die kein politisches oder kulturelles Bekenntnis bedeutet. Auch Christ zu sein, bedeutet keineswegs, sich zu einer Leitkultur zu bekennen.

Im Grunde geht es in beiden Fällen um die Freiheit. Keiner hat das Recht, jemanden vorzugeben, wie er seine Freiheitsrechte lebt, übrigens auch nicht die Funktionärskirche, die teilweise dem Leben so entrückt ist, wie der staatliche Verwaltungsapparat. Ein Mensch muss Muslim oder Christ sein können, ohne weitere politische Etikette, die seinen Glauben verzerren oder ihm entschieden widersprechen.

http://www.migazin.de/2011/08/15/liberaler-vs-konservativer-islam/

Castingshow der Werte

Traditionell, säkular, radikal: In der Islamdebatte wird viel mit liberalen oder konservativen Etiketten hantiert – das wird den Muslimen nicht gerecht

Die Vertreter eines „liberalen“ Islam stellen eine neue Variante des politischen Islam dar.

Die Vertreter eines „liberalen“ Islam stellen eine neue Variante des politischen Islam dar. (Illustration: Otto)

Der Islam gründet sich auf fünf Säulen: das Glaubensbekenntnis, das rituelle Gebet, das Fasten im Monat Ramadan, die Zakat (verpflichtende Sozialabgabe) und die Pilgerfahrt nach Mekka. Aber kann man auf „liberale“ oder „konservative“ Art das rituelle Gebet verrichten oder die Zakat zahlen? Zumindest stellt sich diese Frage im Diskurs um einen gemäßigten Islam.

Denn verschiedene Akteure bieten sich unter dem Etikett „liberal“ und „säkular“ der Politik und den Medien als Gesprächspartner an. Sie erklären sich selbst zum Sprecher für eine angeblich „schweigende Mehrheit von Muslimen“. Doch handelt es sich dabei um ein schwaches Konstrukt, das wohl hauptsächlich dazu dienen soll, sich selbst als Repräsentant eines vorgeblich zeitgemäßen Islam im umkämpften Markt der Berufsmuslime zu legitimieren. Denn genaue Zahlen über die „schweigende Mehrheit“ existieren nicht.

Mehr noch: Während man sich mit lautem Getöse von den großen Verbänden rhetorisch abgrenzt und diese als Vertreter von „Radikalen“ oder „Islamisten“ stigmatisiert, bleiben die eigenen Ideen doch ziemlich blass. Außer einem Bekenntnis zum deutschen Grundgesetz und der Abgrenzung zu Nicht-Liberalen finden sich kaum zukunftsfähige Ideen, die Themen aus der Lebenswirklichkeit insbesondere junger Muslime aufgreifen. In der Konfrontation mit der Gruppe der angeblich Schweigenden zeigt sich dann manchmal ihr wahres Gesicht: Zwar geben die Sprecher der Liberalen vor, die schweigende Mehrheit der Muslime vor islamfeindlichen Angriffen rhetorisch schützen zu wollen. Doch verfallen sie bei Kritik durch Muslime, die kein Marken­label mit sich herumtragen, schnell in einen unsachlichen Ton. Und benutzen dann jene Rhetorik, die sie im Lager der Islamkritiker selbst bemängeln.

Die Vertreter eines „liberalen“ Islam stellen eine neue Variante des politischen Islam dar. Denn sie spielen in der öffentlichen Debatte eine bestimmte Rolle, und werden auch von Medien, Stiftungen und staatlichen Institutionen hofiert und gezielt eingesetzt. Zwar ist es wichtig, dass auch diese Muslime sich organisieren. Das steht nicht zur Diskussion. Jedoch wird die Rhetorik, die die „liberale“ Fraktion in der Öffentlichkeit verwendet, von vielen jungen Muslimen, die sich weder durch die großen islamischen Verbände, noch durch diesen neuen politischen Islam vertreten fühlen, mit großer Skepsis verfolgt. Denn viele junge deutsche Muslime verorten sich jenseits der Label „liberal“ oder „konservativ“. Auch wenn sie sich als gläubige Muslime bezeichnen – sie verweigern sich aus ihrem Selbstbewusstsein heraus diesen Zuordnungen.

Keine Lust auf Labels

Gerade in den vergangenen Jahren, in denen immer intensiver und leider auch hysterischer über den Islam debattiert wurde, wird der Begriff „liberaler Islam“ geradezu inflationär gebraucht. Einige religiös-beschleunigte Ideologen haben versucht, den Islam zu politisieren. Nun tun die Liberalen es ihnen nach, obgleich sie sich an eine nichtreligiöse Öffentlichkeit richten.

Dennoch ist die Resonanz an der Basis dürftig. Der neue Diskurs wird zwar medial aufgebauscht, aber die kritische Haltung der muslimischen Community zur politischen Instrumentalisierung – egal ob aus „liberalem“ oder „konservativem“ Lager – führt dazu, dass diese neuen Ettiketen nicht fruchten.

Interessant ist auch, dass die liberalen Sprecher immer wieder versuchen, sich als Antipoden zu der Islam-Kritikerin Necla Kelek oder zu Thilo Sarrazin zu profilieren. Nur bleibt den jungen Muslimen nicht verborgen, dass sich erstaunlicherweise die Positionen manch „liberaler“ Muslime und die von Islam-Kritikern wie Necla Kelek immer mehr annähern. Das ist der öffentliche Druck, der diese Entwicklung mit sich bringt. Und es ist das Wesen der Dialektik. Denn wenn man die eigene Position dadurch definiert, dass man ständig etwas ablehnt, ähnelt man am Ende immer mehr der Haltung, gegen die man anfänglich angetreten ist.

Auf der öffentlichen Bühne präsentieren sich die Wortführer dieses „liberalen“ Islams gerne als modern, fortschrittlich und kritisch, aber gegenüber Nachfragen, was denn nun eigentlich unter einem „liberalen“ Islam zu verstehen sei, kommen vor allem verstörende Reaktionen. Denn die zur Schau gestellte Toleranz ist oft leider nur ein Lippenbekenntnis, die sachliche Kritik wird nicht selten als Anzeichen einer radikalen Gesinnung gesehen, persönliche Diffamierungen sind die Folge und jede Kritik an der Methodik wird in Misskredit gebracht.

Doch die Realität besteht eben nicht aus gegensätzlich gepolten Menschen. Die Mehrheit der deutschen Muslime sind gegen jegliche Art von Etikettierung. Sie definieren sich nicht über solche Labels, sondern formulieren ihre Positionen aus eigenem Selbstbewusstsein heraus, und machen sie nicht davon abhängig, welche Position sich medial besser verkaufen lässt.

Bis jetzt gibt es zumindest keine zufriedenstellende Definition des „liberalen Islam“. Viele Muslime in den großen Verbänden stehen einer Vielzahl von Fragen tolerant gegenüber, gleichzeitig sind sie in anderen Fragen konservativ. Vor allem Frauen mit Kopftuch werden automatisch als konservativ eingestuft. Wenn sie dann ihre Meinung äußern, sind viele irritiert, weil sie nicht in die vorgefertigten Schablonen passt. Genau da liegt der Punkt: Menschen kann man nicht in Schubladen einordnen. Erst recht nicht wegen eines Kopftuchs.

Ein neues Forum

Jürgen Wertheimer, Professor für Literatur in Tübingen, hat kürzlich zutreffend analysiert, dass die Politik immer noch in Werte-Kategorien denkt, die in der Gesellschaft kaum noch eine Rolle spielen. Begriffe wie konservativ oder liberal haben aus Sicht des Akademikers in den Augen der Bürger längst ihren Inhalt verloren. „Menschen denken heute nicht mehr in solchen Werte-Kategorien wie konservativ oder liberal, sondern wollen über konkrete Sachverhalte reden und entscheiden“. Der Rückgriff auf traditionelle Wertesysteme sei für Politiker vor allem von strategischer Bedeutung: „Für sie sind Wertekategorien so ungeheuer faszinierend, weil sie eine klare Aussage zu beinhalten scheinen.“

Wenn man also sagt: „Ich bin für Freiheit!“, „Ich bin für soziale Gerechtigkeit!“ oder „Ich bin für einen liberalen Islam!“ dann wird niemand widersprechen. Aber zugleich weiß jeder, dass damit inhaltlich nur sehr wenig ausgesagt wird. Wenn sich Parteien heute auf den Konservatismus, den Liberalismus oder den Sozialismus berufen, sei das nichts anderes als eine „Castingshow der Werte“, sagt Wertheimer.

Im Rahmen der Deutschen Islamkonferenz hat der Staat versucht, mit den deutschen Muslimen ins Gespräch zu kommen. Auch wenn die anfängliche Euphorie, die es noch zu Zeiten von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble gab, mit seinem Nachfolger Hans-Peter Friedrich nun endgültig verflogen ist, besteht immer noch die Möglichkeit eines fruchtbaren Dialogs. Dieser kann aber erst dann Wirklichkeit werden, wenn sich auch unter den Muslimen eine Streitkultur etabliert hat. Bisher gab es kein Forum, in dem die ganze bunte Gruppe der deutschen Muslime – seien es nun Vertreter der Verbände oder Einzelpersonen – zusammenkommen und über Grundsatzfragen miteinander diskutieren. Erst die Debatte untereinander kann eine Dynamik entwickeln, die für neue Impulse in der Islamkonferenz sorgt.

Alternative Islamkonferenz

Ansätze für solch ein Forum gibt es bereits. Unter dem Namen „Alternative Islamkonferenz“ versucht eine Gruppe junger Muslime, die Grabenkämpfe zwischen den verschiedenen Fraktionen zu überwinden und einen Diskussionsprozess in Gang zu setzen. Ehemalige Teilnehmer der Islamkonferenz finden diesen Schritt sinnvoll, da sie gerade aus diesem Grund aus der Islamkonferenz ausgestiegen sind, wie etwa der Schriftsteller Feridun Zaimoglu. Er sieht einen großen Bedarf einer solchen Debattenplattform und unterstützt deshalb diese Initiative.

Die Etablierung einer innermuslimischen Streitkultur könnte nicht nur ein wichtiger Schritt sein, um die Dialektik zwischen einem „liberalen“ und „konservativen“ Islam zu überwinden, sondern auch ein produktiver Beitrag für die Islamdebatte sein.

Aber in der letzten Zeit gibt es seitens der Politik immer wieder die Klage, dass der Dialog so schwer falle, weil es keine Einrichtung gebe, die mit Autorität für alle sprechen könne. Der Staat lechzt aus Angst vor der Freiheit, die seine Verfassung verspricht, nach Funktionären, die mit ihresgleichen verhandeln und Verträge schließen. Aber die meisten Muslime wollen ganz einfach ihre Religion leben, die kein politisches oder kulturelles Bekenntnis bedeutet.

http://www.freitag.de/positionen/1125-castingshow-der-werte

Eine Replik auf meinen Freitag-Beitrag von der Vorsitzenden des Liberal-Islamischen Bundes, Lamya Kaddor, in der Süddeutschen Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/karriere/islamischer-religionsunterricht-in-nrw-muslimisch-jung-konservativ-1.1129037

Was ist ein zeitgenössischer Islam?

Ein Streitgespräch zwischen Lamya Kaddor, Vorsitzende des Liberal Islamischen Bunds (LIB e.V.) und Ahmad Milad Karimi, Verleger und Koranübersetzer.

Milad Karimi: "Für mich sind Begriffe wie "liberal" oder "konservativ" grundpolitische Begriffe. Wenn wir beispielsweise an Ghazali, Ibn Arabi oder Avicenna denken und uns fragen: Waren das nun liberale oder konservative Denker? Ich könnte das nur schwer beantworten. Warum? Weil sie reflektiert und differenziert sind." (Foto: Andree Kaiser)

Milad Karimi: “Für mich sind Begriffe wie “liberal” oder “konservativ” grundpolitische Begriffe. Wenn wir beispielsweise an Ghazali, Ibn Arabi oder Avicenna denken und uns fragen: Waren das nun liberale oder konservative Denker? Ich könnte das nur schwer beantworten. Warum? Weil sie reflektiert und differenziert sind.” (Foto: Andree Kaiser)

Eren Güvercin: Frau Kaddor, Sie haben vor kurzem den Liberal-Islamischen Bund (LIB) gegründet und werben in der Öffentlichkeit für einen liberalen Islam. Was verstehen Sie darunter?

Lamya Kaddor: Ein Grund, den Verein zu gründen, war, eine Alternative zu den bisherigen Verbandsstrukturen und Vertretern eines bestimmten Islams anzubieten. Wir plädieren dafür, dass jeder Muslim sich auch das Recht nehmen soll, für sich selber zu entscheiden, wie er sein Leben gestalten möchte. Das bedeutet für uns, dass die Tore des Idschtihads offen stehen, und dass jeder Mensch, jeder Muslim versuchen sollte, selbstbestimmt sein Leben zu führen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau im Islam. Ich weiß, dass es abgedroschen klingt, aber letztlich ist es schon ein innerislamischer Anspruch, zu sagen, wie wir mit bestimmten Koranpassagen umgehen und sie auf die heutige Zeit übertragen können. Wir wollen dies zumindest zur Diskussion stellen.

Derzeit funktioniert der Islamdiskurs so, dass diejenigen, die Positionen eines “liberalen Islams” kritisieren, als “konservativ” etikettiert werden. Müsste man nicht auf politische Zuschreibungen wie “liberal” oder “konservativ” verzichten, um dieser Dialektik entgegenzuwirken?

Kaddor: Es sind in erster Linie keine politischen Begriffe. Wir sehen auch in anderen Religionen und Konfessionen, dass es immer schon Unterscheidungen etwa zwischen Reform- oder liberalem und orthodoxem Judentum gegeben hat. Die Gründung des LIB zielte nicht darauf ab, den Begriff “liberal” als politischen Kampfbegriff zu verwenden. Ich sehe aber schon, dass es in der Öffentlichkeit mitunter so dargestellt wird, als ob es einen tiefen theologischen Graben zwischen liberal und konservativ gebe. Den sehe ich aber nicht so deutlich, weil ich glaube, dass die Grenzen fließend sind. In Relation zu anderen habe ich persönlich in einigen Dingen wahrscheinlich eine konservative Haltung, würde mich aber dennoch als liberal bezeichnen. Was macht aber eine liberal-religiöse Haltung aus, was macht eine konservative oder fundamentalistische Haltung aus? Nehmen wir ein Beispiel aus dem Bereich des gesellschaftlichen Engagements. Viele islamische Fundamentalisten sagen hier ganz klar: Der Islam ist für mich die richtige Religion, und er muss es auch für jedermann sein, ich trage aktiv durch Da’wa [Aufforderung, Einladung zum Islam, E.G.] dazu bei, dass andere zum Islam finden. Konservative würden sagen: Der Islam ist für mich die richtige Religion und sollte es auch für jedermann sein, aber ich trete nicht aktiv dafür ein, dass jeder Muslim werden muss. Ein liberaler Muslim würde sagen: Der Islam ist für mich die richtige Religion, aber muss es nicht zwangsläufig für jedermann sein. Bei letzterem wird der Absolutheitsanspruch, der Wahrheitsanspruch relativiert.

Milad Karimi: Da muss ich widersprechen. Für mich sind Begriffe wie “liberal” oder “konservativ” grundpolitische Begriffe. Nimmt man an, dass der Islam zunächst eine Religion sein soll, dann geht es um eine innere, religiöse Haltung. Ob man nun bei der inneren Haltung von einem “liberalen” oder “konservativen” Habitus sprechen kann, möchte ich bezweifeln. Der Islam hat ja große Denker und Geister hervorgebracht. Wenn wir beispielsweise an Ghazali, Ibn Arabi oder Avicenna denken und uns fragen: Waren das nun liberale oder konservative Denker? Ich könnte das nur schwer beantworten. Warum? Weil sie reflektiert und differenziert sind: Ihre Haltung war nicht, dass der Islam die einzig wahre Religion ist, sondern, dass der Islam wahr ist und eine Wahrheit hat. Sobald aber der Anspruch auftaucht, dass der Islam die einzig wahre Religion ist, ist das in der Tat eine politische und nicht mehr religiöse Haltung. Wenn Religion – wie auch immer – politisch wird, dann ist sie pervertiert. Die Religion ist nicht eine Sache, die man in sich trägt, sondern Religion ist etwas, was uns trägt.

Kaddor: Wie gesagt, der Beweggrund war nicht, ein politisches Statement zum Ausdruck zu bringen. Es ging vor allem um die Haltung zu Fragen der religiösen Lebenspraxis, die gilt es, von der rituell-spirituellen Dimension zu unterscheiden, und hier kann man sehr wohl entweder eine freiheitliche oder eine restriktive Position einnehmen. Innerhalb unseres Vereins gibt es Positionen, die sehr unterschiedlich sind: von Mitgliedern, die Kopftuch tragen oder nicht, zu Mitgliedern, die praktizieren oder auch nicht. Das, was uns trägt, ist der Gedanke, dass jeder von uns für sich selber entscheidet und es den Menschen um sich herum frei stellt, Dinge anders zu sehen – solange niemand Schaden davon trägt. Das drückt für uns auch das Liberale aus, das es so in konservativen Kreisen einfach nicht gibt.

Lehrstühle für Islamische Theologie werden an verschiedenen Standorten in Deutschland gegründet, um unter anderem einen zeitgenössischen Islam zu schaffen. Wie kann dieser aussehen, ohne seine Authentizität zu verlieren?

Karimi: Die erste und letzte Forderung, die man an diese Lehrstühle haben muss, ist, dass sie denken. Dass sie sich denkerisch mit dem befassen, was hier im Islam sein soll. Keiner fordert von ihnen, dass sie uns vorbeten, sondern, dass sie uns die inneren Zusammenhänge dieser Religion theologisch darlegen.

Kaddor: Die Wissenschaft trägt ja auch dazu bei, die modernsten Erkenntnisse in den Bereich der Theologie einfließen zu lassen. Das bedeutet auch die Frage nach dem Hier und Heute: dass man klärt, was bestimmte Aussagen im Islam heute für uns bedeuten können. Theologen müssen uns das plausibel darlegen.

Man hört oft, dass die Tradition der islamischen Offenbarung mit ihren verschiedenen Rechtsschulen und Methodiken der Exegese in einem Widerspruch zu einem zeitgenössischen Islam stünden. Ist die Überwindung dieser über Jahrhunderte gewachsenen Tradition notwendig? 

Karimi: Die Tradition abzulegen, ist die Methodik der Fundamentalisten. Wenn man das weiterführen will, dann soll man die Tradition ablegen oder verleugnen. Die historisch-kritische Methode hat es im Islam schon immer gegeben, sie ist nichts Neues. Was wir für eine Islamische Theologie in Europa fordern, ist, dass man sich gerade mit der Tradition beschäftigt. Wenn ich Koranexegese betreibe, hat es keinen Sinn, dass ich die Exegeten aus dem 9. Jahrhundert übersetze und dies dann praktiziere. Das ist keine Theologie und schon gar nicht zeitgemäß. Aber diese Exegeten zu kennen, bietet die Möglichkeit einer neuen Theologie. Es geht darum, dass man sich den Koran anschaut und ihn mit den neuesten Methoden der Hermeneutik auslegt. Was heißt es überhaupt, mit einer Sure umzugehen? Was ist eine Sure? Und was ist der Koran? Das sind spannende Fragen.

Kaddor: Ganz genau. Die Tradition ist der Beweis dafür, dass sich die Muslime immer wieder historisierend und kontextualisierend mit dem Koran auseinandergesetzt haben. Deshalb brauchen wir die Tradition. Ich glaube, dass ein Islam losgelöst von seiner Tradition gar nicht bestehen kann. Dann würde ich tatsächlich das machen, was Fundamentalisten tun: den Koran aus seinem Kontext reißen und versuchen, ihn wortwörtlich zu leben. Mir wird ja häufig vorgeworfen, ein liberaler Islam würde Beliebigkeit walten lassen. Im Grunde genommen ist es genau umgekehrt: Das, was Fundamentalisten tun, ist beliebig. Denn sie entscheiden letztlich, welche Verse wortwörtlich zu nehmen sind und welche nicht. Das kann man nur machen, wenn man der Tradition den Rücken gekehrt hat.

Karimi: Aber da muss man auch genauer definieren, was man unter Tradition versteht, und zwischen zwei Ebenen unterscheiden. Zum einen gibt es eine rationalistische Tradition, die jenseits der entwickelten Rechts- und Denkschulen existierte. Auf der anderen Seite haben wir die vier anerkannten Rechtsschulen, welche die Blütezeit des Islams repräsentieren. Mit denen muss man sich auseinandersetzen. Man muss sich auch die Differenzen zwischen den Rechtsschulen genauer anschauen und verstehen, warum es diese Unterschiede gibt. Zugleich muss man darüber diskutieren, ob das, was im Mittelalter entschieden worden ist, die ewige absolute Wahrheit Gottes repräsentiert, oder ob wir uns heute mit den jeweiligen Rechtsschulen auseinandersetzen und sie weiterentwickeln.

Kaddor: … oder aufheben!

Karimi: Um auf die Institutionen zurückzukommen: Ich wäre gegen eine Gleichschaltung. Ich würde mir wünschen, dass dort nicht nur “Liberale”, sondern auch “Konservative” am Werk sind. Das ist auch gang und gäbe in der Theologie. Schauen Sie sich die Katholische Theologie an: Alleine an der Universität in Freiburg findet man sehr gegensätzliche Theologen, die offen debattieren. Das wünsche ich mir.

Kaddor: Aber das beinhaltet ja gerade das liberale Verständnis, dass man sagt: Es haben außer mir auch andere Recht und dürfen ihre Meinungen diskutieren …

Lamya Kaddor: "Die Gründung des LIB zielte nicht darauf ab, den Begriff „liberal“ als politischen Kampfbegriff zu verwenden. Ich sehe aber schon, dass es in der Öffentlichkeit mitunter so dargestellt wird, als ob es einen tiefen theologischen Graben zwischen liberal und konservativ gebe."

Lamya Kaddor: “Die Gründung des LIB zielte nicht darauf ab, den Begriff „liberal“ als politischen Kampfbegriff zu verwenden. Ich sehe aber schon, dass es in der Öffentlichkeit mitunter so dargestellt wird, als ob es einen tiefen theologischen Graben zwischen liberal und konservativ gebe.”

Wenn es um Integration geht, hört man oft die Forderung, Muslime müssten eine “liberale” Auffassung ihrer Religion vertreten, um ein guter Staatsbürger zu sein. Der Islamexperte Olivier Roy sagt, dass ihn die Forderung nach einer Reformation des Islams nicht überzeuge: “Die Einpassung der Muslime in den westlichen Kontext hat nichts mit Theologie zu tun, sondern vielmehr mit der Lebenspraxis und den Anstrengungen jedes Einzelnen (…). Das kann über kurz oder lang zu einer Art Reform des theologischen Denkens führen, aber grundsätzlich scheint es mir nicht sinnvoll, Modernität mit theologischem Liberalismus in eins zu setzen.”

Kaddor:Einerseits hat Roy Recht, wenn er sagt, dass die Islamische Theologie wenig mit der Integrationsfrage zu tun hat. Ich glaube, es ist eine Reaktion auf die aktuelle Debatte, die absurderweise nicht vorrangig sozial-politisch, sondern theologisch geführt wird. Deshalb gibt es die Gegenbewegung, die den Islam mit der modernen Welt für kompatibel hält. Andererseits ließe sich über Roys Auffassung von Theologie diskutieren. Die Muslime wenden sie in ihrem Leben automatisch an. Wenn ich darüber nachdenke, wie ich bestimmte islamische Prinzipien auf mein Leben hier übertragen kann, ist das im Grunde genommen schon Theologie. Mir geht es darum, als liberale Muslimin zu sagen: Entscheidet, was ihr wollt, was für euch islamisch ist, solange ihr es selber entscheidet! Orientiert euch dabei an den Theologen, fragt euch, ob ihre Aussagen nachvollziehbar klingen, aber lasst sie nicht über euch bestimmen! Für die Frage nach einem guten Staatsbürger spielt das erst einmal keine Rolle. Es hat den Staat nichts anzugehen, ob ich meine Religion liberal oder konservativ verstehe – solange ich dabei nicht gegen geltendes Gesetz verstoße.

Ist diese Art der Auseinandersetzung mit dem Islam nicht auch in den Verbänden vorhanden? Die Verbände werden ja in der Öffentlichkeit schnell mit dem Etikett “konservativ” versehen.

Kaddor:Das Problem an den Verbänden ist, dass sie zusätzlich bestimmte kulturelle Traditionen aus den Heimatländern ihrer Gründungsmitglieder vertreten und zum Teil auch politische Ansprüche haben. Es ist nicht mal unbedingt das Theologische. Einige mögen konservative oder auch orthodoxe Prinzipien haben, aber das ist ja zunächst nichts Verwerfliches. Das Problematische an den Verbänden ist ihre politische Einstellung, etwa für alle Muslime sprechen zu wollen. Darüber hinaus fehlt mir die Debatte und der Diskurs. Man hat bei ihnen das Gefühl, jeder Verein macht irgendwie etwas für sich, und sie verständigen sich nicht einmal untereinander. Es gibt eine Führungsriege, die Funktionäre, und der Rest kriegt nichts mit. Das ist der Punkt, was sie “rückständig” erscheinen lässt. Da frage ich mich, wieso da nicht mehr kommt, denn je mehr wir debattieren, desto mehr Früchte tragen wir. Einzelne sind vielleicht in der Lage intellektuell und theologisch qualifiziert zu debattieren, aber die große Masse der Funktionäre ist es nicht.

Karimi:Es liegt im Wesen der Sache, man kann den Verbandsfunktionären ja nicht vorwerfen, dass sie nicht intellektuell genug sind. Denn das, was sie machen und machen sollen, erfordert nicht Intellektualität. Das sind Verbände und Vereine. Ihre Aufgabe ist nicht, Theologie zu betreiben.

Kaddor:Ihre Hauptaufgabe ist doch die Pflege von Religion?

Karimi:Genau, und das ist aber keine Theologie. Theologie betreibt man nicht, sondern man betreibt das, was man auch als praktische Philosophie bezeichnet, also Moralität und Sittlichkeit. Und Sittlichkeit ist ja nur ein Bereich der ganzen theologischen Debatte.

Kaddor:Es geht schon auch darum, theologische Inhalte zumindest zu besprechen.

Karimi:Genau, es gibt Religionsbeauftragte, die dies tun, und das geschieht auf einer ganz anderen Ebene. Denen geht es ja nicht darum, zu entscheiden, ob man beispielsweise als Muslim von einer Art Substanzlehre ausgehen soll oder nicht, oder ob die Welt einen Anfang haben soll oder nicht. Oder ob der Koran geschaffen ist oder nicht? Das wären grundtheologische Fragen. Die Verbände machen praktische Theologie, das ist eine ganz andere Sache. Das wurde in unserer Tradition schon immer woanders generiert, nämlich inmitten der Gemeinden: Der Beste von uns ist gemäß der Tradition nicht derjenige, der am besten gedacht hat, sondern derjenige, der am besten gelebt hat.

Kaddor:Erstens sind “grundtheologische” Fragen die Basis religiöser Praxis, das lässt sich wohl kaum abkoppeln, weder historisch noch gegenwärtig. Zweitens müssen wir gerade diese Tradition heute umdrehen: Es darf eben nicht mehr darum gehen, zu schauen, wer seine Religion nach außen wie lebt. Das mag auch eine Frage sein, aber in dieser Welt, in der wir leben, darf sie nicht zentral sein. Zumindest muss man sich vermehrt darum bemühen, beides in ein Gleichgewicht zu bringen.

Karimi:Ist die Gründung eines Vereins dafür eine Lösung? Entweder ist man eine politische Vereinigung, dann ist das sowieso eine andere Sache, oder eine religiöse Vereinigung, dann wäre das eine Sekte. Ein eigens dafür bestimmter Verein, islamisch-theologische Fragen zu bestimmen, wäre demnach per definitionem eine Sekte.

Kaddor:Dann wären ja alle Sekten …

Karimi:Wenn die einzelnen Vereine den Anspruch haben, religiös zu sein, dann sind das Sekten. Wenn wir schon von einer modernen Welt reden, dann erwarte ich von einem Verbandsfunktionär nicht, dass er mir Theologie beibringt. Sie haben ganz andere Aufgaben: Die Muslime in Deutschland brauchen Seelsorger und Leute, die unsere Toten beerdigen. Das ist nicht die Aufgabe eines Theologen. Auch wenn ich unabhängig bin, habe ich ein Herz für die Verbände, weil sie versucht haben, viel zu viel zu machen. Deswegen ist daraus auch nicht viel geworden …

Kaddor:Sie erheben allerdings den Anspruch, eben dies zu tun.

Die Verbände repräsentieren eine große Anzahl an Moscheegemeinden …

Kaddor:… genau, wo Predigten gehalten werden oder religiöse Beratung betrieben wird – auf der Basis von Theologie, oder auf welcher sonst? Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt für meinen Geschmack zu sehr auf der praktischen Theologie und zu wenig auf dem innerislamischen Dialog, der sich zunehmend aufdrängt. Aber um das zu leisten, muss es innerhalb dieser Verbände mehr Menschen geben, die sich speziell mit theologischen Fragen beschäftigen.

Karimi:Man muss ihnen die Arbeit auch wegnehmen. Man sollte nicht nur darauf hinweisen, was sie falsch machen, sondern es geht darum, dass ich hingehe und sage, diese Arbeit, die sie tun, kann ich viel besser machen. Einige Verbände haben auch versucht, Bücher zu machen. Aber wie machen Verbände Bücher? Sie sind ja keine Verlagsanstalten, keine Herausgeber. Sie haben aus ihren Herkunftsländern Bücher übersetzt oder Gebetsbücher für Kinder herausgegeben, die man sich nicht anschauen kann. Sie sind nicht nur sprachlich schlecht, sondern auch in der Gestaltung. Das ist keine Kritik, sondern es berührt mein Herz. Wir können aber auch unseren eigenen Beitrag leisten, in dem jeder das macht, was er am besten kann. Was vor allem sehr wichtig ist – das tun wir gerade in diesem Augenblick -: miteinander streiten, um dann auch klarzustellen, welche Haltungen wir haben, indem wir Farbe bekennen. Dann kann jeder Muslim sehen, wo er sich angesprochen fühlt – Zusammen heißt nicht Einheitsbrei. Aber wenn wir nicht miteinander reden aufgrund persönlicher Ressentiments oder Macht- und Politikspielchen, dann gibt es kein Zusammen.