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Raus aus dem “Migrantenstadl”

Es ist schon zu einem Ritual geworden. Immer wenn die üblichen Verdächtigen fremdenfeindlichen Ressentiments Futter geben, beklagen sich die Betroffenen über den Rassismus in Deutschland. Und noch lange, nachdem die Luft aus einer Debatte längst entwichen ist, wird diese Klage reflexartig wiederholt, wann immer der Stichwortgeber seine umstrittene Aussage wiederholt – bei einer Lesung oder in einem Interview.

Thilo Sarrazin beispielsweise eignet sich stets, eine Welle der Erregung auszulösen. Und er liefert ja auch gern markige Sprüche so, als seien sie von seinen Kritikern bestellt. Das ist ein Ritual, das lästig wirkt, müde macht und gefährlich werden kann.

Denn die Ewig-Empörten beachten nicht, dass sie eine unsägliche Debatte kritisieren und zu beenden wünschen, die sie zugleich lange am Köcheln halten, selbst wenn sie schon längst vergessen worden wäre. Sie machen aus ihrem Anliegen ein Spektakel, warnen so häufig vor einem alles niederwalzenden Rassismus, dass niemand die Warnung mehr hören, geschweige denn ernst nehmen mag.

Und sie ist ernst zu nehmen. Das hat sich vor über einem Jahr gezeigt, als bekannt wurde, wie eine Gruppe “Nationalsozialistischer Untergrund” zehn Morde begangen hat, ohne dass sie als Täter ermittelt und frühzeitig gestoppt werden konnte. Das Entsetzen – auch über die Sicherheitsbehörden – ist bis heute ehrlich, ungeteilt und notwendig.

Doch man kann nicht nur über einen Ausschnitt von Gewalt in der Gesellschaft reden – auch nicht, weil man sich selbst als Opfer begreift, das sich von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, von Islamkritik und Integrationsskepsis bedrängt fühlt. Viele, die aus einer ausländischen Familie stammen, die einen sogenannten Migrationshintergrund besitzen, flüchten in eine Art innere Migration. Dort wird der Blick eng und einseitig.

Über Gewalt und Rassismus zu klagen, wäre glaubhafter, wenn das brutale und kriminelle Verhalten von türkisch- und arabischstämmigen Jungmännern ebenso thematisiert werden würde. Erst Anfang Dezember gab es in Duisburg gezielte Übergriffe auf junge Roma rumänischer Nationalität. Die Angreifer fühlten sich belästigt, weil die Gruppe der Roma unter den Einwohner ihres Stadtquartiers immer größer geworden sei.

Wir haben uns angewöhnt, von gewaltbereiten Salafisten, Islamisten, Dschihadisten zu reden. Man fragt sich, warum fromme Muslime diese Begriffswahl hinnehmen und sich nicht dagegen verwahren sowohl, dass in ihrem Namen Hass gepredigt und Gewalttaten geplant werden, als auch, dass eine Gesellschaft darauf hereinfällt, wenn sich gewöhnliche Kriminalität einen religiösen Tarnmantel umlegt.

Da wird der Rassismus der anderen beklagt, aber der eigene geleugnet, weil der Migrantismus, das Lebensgefühl einer selbst gewählten inneren Migration sich davon nährt, die Mehrheitsgesellschaft zu verachten.

So versäumt man die selbstkritische Frage, was das eigene Kollektiv vielleicht über die Jahre falsch gemacht haben mag, warum Thilo Sarrazin oder Heinz Buschkowsky zu ihren Ansichten gekommen sind und vor allem warum sie auf so große Resonanz stoßen – übrigens auch unter Deutschen und Ausländern mit Migrationshintergrund.

Es ist an der Zeit zu erkennen, dass viele Probleme – ob pädagogische oder soziale – für alteingesessene wie zugezogene Familien dieselben sind. Folglich können sie auch gemeinsam gelöst werden. Das “migrantische” Ressentiment nervt dabei genauso wie das “deutsche”.

Es ist an der Zeit, dass Migranten ihre Opferrolle ablegen, sich nicht länger als Objekt von Studien oder Behörden begreifen. Es ist an der Zeit, dass sie sich selbst als Bürger sehen, die mit anderen diese unsere Gesellschaft gestalten – durchaus beeinflusst durch eine ganz eigene, individuelle Lebenserfahrung. Das wäre viel wertvoller als der Migrantenstadl, der immer wieder von einigen “Berufsmigranten” inszeniert wird.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1992183/

“Früher herrschten die Gewalttäter, heute herrschen die Wohl-Täter”

Maternus Millett hat Stadtplanung studiert und eine Ausbildung zum Redakteur mit Schwerpunkt Finanzen, Gesellschaft und Ökologie durchlaufen. Nach Mitarbeit bei verschiedenen Medien hat er letztes Jahr den Roman “Alphacrash” veröffentlicht. In seinem neuesten Buch “Das Schlechte am Guten” will Millett zeigen, “weshalb die politische Korrektheit scheitern muss”, sich das Gute ins Böse verkehrt und man lieber die Freiheit aushalten soll, als sich in Ideologien einzusperren.

Maternus Millett: "Die politische Korrektheit als das "absolut Gute" hat das gesellschaftliche Klima bereits so weit polarisiert und vergiftet, dass auch eine kritische Diskussion des "absolut Guten" kaum noch möglich ist."

Maternus Millett: "Die politische Korrektheit als das "absolut Gute" hat das gesellschaftliche Klima bereits so weit polarisiert und vergiftet, dass auch eine kritische Diskussion des "absolut Guten" kaum noch möglich ist."

Immer wieder beobachtet man in gesellschaftlichen Debatten dasselbe Schema: Wer sich selbst zu den Guten zählt, der neigt dazu Andersdenkende zu verteufeln. Auch wenn die Meinungsfreiheit in aller Munde ist, herrschen Denkverbote in diesen Debatten. Diejenigen, die sich jenseits der herrschenden Meinung bewegen, drohen aus den Debatten verbannt zu werden. Was für Auswirkungen hat die “politische Korrektheit” für die Gesellschaft?

Maternus Millett: Meinungsfreiheit, Demokratie und Pluralismus werden nach und nach ausgehöhlt. Gern bezieht man sich auf das Ideal der “Repressiven Toleranz”, nach dem Motto: “Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit”, analog zu “Wir kämpfen für den Frieden, erholen uns aus Leibeskräften und fordern Spontaneität!” Sogar jene, die offen bekennen, gegen Freiheit, Demokratie und Toleranz zu sein und nicht das Gegenteil heucheln, müssen dies sagen dürfen und sich einer Diskussion stellen. Ob sie daran teilnehmen wollen, ist eine andere Frage. Das Strafrecht steckt die Grenzen, innerhalb derer auch extreme Ansichten ausgedrückt werden dürfen. Die Exponenten des “Guten” sollten sich öfter an Voltaire erinnern, der sagte: “Ich teile ihre Ansicht nicht, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, damit sie es sagen dürfen.” Und vor Voltaire hatte ich auch auf Rosa Luxemburg rekurriert: “Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden”. Das ist wichtig, weil viele “Gute” genau dieses linke Idol verehren.

Sie schildern in Ihrem Buch “Das Schlechte am Guten – Weshalb die politische Korrektheit scheitern muss”, dass bisherige Versuche das Paradies auf Erden zu schaffen, oft zu Terror und Unheil geführt haben. Führt die Ideologie der politischen Korrektheit zu einer Art Gesinnungsterror, die das gesellschaftliche Klima vergiftet?

Maternus Millett: Diese Gefahr besteht absolut, zumal die zugelassenen Parteien sich kaum noch voneinander unterscheiden und die Wahlbeteiligung deutlich abnimmt. Die stärkste Fraktion sind längst die Nichtwähler. So sehr man Thilo Sarrazin kritisieren kann: Der enorme Zuspruch für sein Buch gegen die massiven Widerstände von Politik und Medien hat die Diskrepanz zwischen “Oben” und “Unten” und das Legitimationsdefizit des “Oben” aufgedeckt, welches man von “Oben” durch zunehmende Kontrolle, Manipulation und Repression auszugleichen versucht. Das hat dauerhaft noch nie funktioniert, wie man am Faschismus und Staatssozialismus sehen kann, die ebenfalls der festen Überzeugung waren, das absolut “Gute” zu tun und von einer Welterlösungsvision beseelt waren, die für das Paradies auf Erden kämpften, das sich nach der Vernichtung des “Bösen” einstellen sollte.

Die politische und gesellschaftliche Realität ist also Ihrer Meinung nach konstruiert?

Maternus Millett: Es handelt sich um einen völlig normalen Herrschaftsprozess. Zu allen Zeiten wurden alle Regierungen von Eliten gestellt, die ein bestimmtes “Mindset” und bestimmte Ideale und Interessen mitbringen und diese von oben nach unten implementieren, um die Welt zu machen, wie sie ihnen gefällt.

Sloterdijk sagte einmal, dass alle Wege von 68 letzten Endes in den Supermarkt führten. Was für eine Rolle spielen die Alt-68er bei der politischen Korrektheit?

Maternus Millett: Es spielt keine große Rolle, ob Herrschaft als “links” oder “rechts” oder sonst wie daher kommt. Alle Eliten verhalten sich gleich, sobald sie oben angekommen sind, bis sie von einer neuen Elite abgelöst werden. Auch Herrschaft evolviert und wurde immer subtiler und effizienter: Früher herrschten die Gewalttäter, heute herrschen die Wohl-TäterInnen mit sozialen Wohltaten und Warenkonsum, die die Beglückten in Abhängigkeit, Unselbständigkeit, Kontrollier- und Erpressbarkeit führen.

Gerade in der Debatte um Sarrazin konnte man trotz berechtigter Kritik erkennen, dass Zuschreibungen wie “Rassist” sehr schnell genutzt wurden, um den Gegenüber zu brandmarken und keine wirkliche und offene Diskussion über wichtige Themen zu führen. Bei einigen Sarrazin-Kritikern hatte man das Gefühl, dass deren Motto ist: “Er ist böse, also sind wir gut.” Kann so eine Dialektik dazu führen, dass wirkliche rassistische Gruppen und Ideologien davon profitieren, indem sie sich als Opfer präsentieren können?

Maternus Millett: Das versuchen die Rechtsextremisten mit dem Verweis auf staatliche Repression und auf tatsächliche oder vermeintliche Kriegsverbrechen an Deutschen andauernd. Man muss heutzutage “Opfer” sein, am besten ein mehrfach diskriminiertes, um Gehör zu finden, “Ansprüche” zu stellen und letztlich moralische Macht auszuüben.

Sie stellen in Ihrem Buch auf provokante Weise eine Parallele zwischen der Aufhebung der Sklaverei und der Emanzipation fest.

Maternus Millett: Man kann fragen, ob die Aufhebung der Sklaverei nach Jahrtausenden Sklaverei aus Mitgefühl mit den Sklaven erfolgte oder nicht vielmehr, weil man Arbeitnehmer brauchte, die wesentlich flexibler und billiger eingesetzt werden können als Sklaven. Fakt ist, dass es den ehemaligen Sklaven nach deren “Befreiung” ökonomisch mindestens ein Jahrhundert lang wesentlich schlechter ging als zu Zeiten der Sklaverei, als sie zwar offensichtlich unfrei, aber als Eigentum auch “werthaltig” waren, weil Krankheit oder Tod eines Sklaven einen erheblichen Verlust für den Sklavenhalter bedeutete. Vor allem wurden Sklaven auch dann versorgt, wenn es keine Arbeit für sie gab. Die Sklaven wurden dann zu “freien” Wirtschaftssubjekten, zu Arbeitskräften, die man nach Belieben feuern und ihrem Schicksal überlassen konnte; sie verloren also die Wertschätzung, die sie als Eigentum genossen.

Sogar viele “Gute” behandeln ihr Eigentum und ihre Haustiere besser als ihre “freien, eigenverantwortlichen” Mitmenschen. Ähnlich verhält es sich mit den “Emanzipierten”, die aus einer feudalen Abhängigkeit zur Lohnabhängigkeit befreit wurden, wobei die feudale Abhängigkeit auch Sicherheit mit sich brachte, denn der Bediente ist vom Dienenden ebenfalls abhängig und im eigenen Interesse zur Fürsorge verpflichtet. Die Frage ist auch, inwieweit sozialstaatliche Ansprüche, Verwaltungsakte und Geldzahlungen die sozialen Bedürfnisse nach menschlichem Kontakt, Bindung und Verbindlichkeit befriedigen.

Sie reflektieren auch kritisch über die Gender-Theorie. Welche Auswirkungen hat die Gender-Theorie auf die Gesellschaft?

Maternus Millett: Die Gender-Theorie versucht, die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen als Normalfall in Frage zu stellen und stellt nicht nur die Geschlechterrollen, sondern sogar den “Geschlechtskörper”, also die anatomisch-physiologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau, als soziokulturelles “Konstrukt” dar. Sie geht davon aus, dass wir als sexuell-erotisch unbeschriebene Blätter zur Welt kommen und erst durch Erziehung, Imitation usw. zu Männern und Frauen geformt werden und interpretiert dies als “Repression”, als Unterdrückung und Deformierung der angeblich ursprünglich multisexuellen “Natur” des Menschen.

Diese Ideologie wird als “wissenschaftlich” verkauft und auf staatlicher Ebene von oben nach unten implementiert, indem die Geschlechterrollen “dekonstruiert” werden, d.h. politisch gewollt Geschlechtsverwirrung gestiftet und heterosexuelle Geschlechtsidentitäten zerstört werden sollen. Es handelt sich hier um einen gesamtgesellschaftlichen Groß-Menschenversuch mit ungewissem Ausgang, eine Sozial-Großtechnologie ohne wissenschaftliche Folgenabschätzung und Ethikkommissionen, wie sie bei Atomtechnologie und Genmanipulation Standard sind.

Auf jeden Fall ist zu beobachten, dass heterosexueller Geschlechtsverkehr immer seltener stattfindet und dass sich die Geschlechter auch physisch aneinander angleichen, bei abnehmender Fruchtbarkeit und zunehmender Vereinzelung, sexueller Frustration und Impotenz nicht nur bei Männern.

Die Webseite PI-News vermarktet sich erfolgreich unter dem Label “politcally incorrect”. Sie hetzt dabei aber systematisch gegen Muslime. Besteht die Gefahr, dass Gruppen unter dem Deckmantel der “Politischen Unkorrektheit” fremdenfeindliche und islamfeindliche Gedanken verbreiten?

Maternus Millett: Die politische Korrektheit als das “absolut Gute” hat das gesellschaftliche Klima bereits so weit polarisiert und vergiftet, dass auch eine kritische Diskussion des “absolut Guten” – also des Versagens der Bildungs- und Integrationspolitik, der selektiven Toleranz Straftaten von Immigranten gegenüber, der bedingungslosen Sozialleistungen für alle – kaum noch möglich ist. Folglich können alle, die provokante Kritik anmelden, sehr leicht moralische Empörung auslösen und sich als Rebellen gegen das neue, linke, permissive Establishment und als “Opfer von Repression” darstellen. Eine absurde Situation, und mit Sicherheit pures Gift für Demokratie, Pluralismus und den sozialen Frieden, die zunehmend durch ein “Die oder wir!” und “Wer nicht für uns ist, ist gegen uns” ersetzt werden.

Lieber Herr Millett, vielen Dank für das Gespräch.

http://www.heise.de/tp/artikel/34/34951/1.html

“Ich bin ein gut gelaunter Deutscher!”

Feridun Zaimoglu: "Ich bestehe darauf, dass man die Männer und Frauen der ersten Generation - der goldenen Generation - bitte schön mit Respekt behandeln mag."

Feridun Zaimoglu: "Ich bestehe darauf, dass man die Männer und Frauen der ersten Generation - der goldenen Generation - bitte schön mit Respekt behandeln mag."

Eren Güvercin: Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 hieß es, dass die deutsche Nationalmannschaft mit Spielern wie Mesut Özil, Jérôme Boateng und Sami Khedira zum ersten Mal die gesamte Gesellschaft widerspiegele. Ist tatsächlich angekommen, dass Deutschland eine Einwanderungsgesellschaft ist?

Feridun Zaimolu: Zunächst einmal: Fußball ist Fußball. Ich bin etwas ratlos, wenn ich die Schriften der Euphoriker lese, die sagen, früher war der deutsche Fußball hölzern, und jetzt ist alles anders und besser. Seltsam, dass Deutschland in der Vergangenheit dennoch so viele Pokale mit nach Hause gebracht hat. So hölzern kann dieser Fußball ja dann nicht gewesen sein. Wir erinnern uns, vor zehn oder zwölf Jahren fing das Lamento an: Der deutsche Fußball sehe nicht die Zeichen der Zeit und setze nicht auf Nachwuchskräfte. Das hat der Deutsche Fußballbund (DFB) nun getan. Denn es geht nicht darum, dass herkunftsfremde Deutsche jetzt auf dem Fußballplatz mitspielen dürfen, sondern selbstverständlich um gute Fußballer. Dieses Mal hatte man auf gute Nachwuchskräfte gesetzt, sowohl auf herkunftsfremde Deutsche als auch auf junge deutschstämmige Deutsche. Ich bin ein glühender Deutschlandfan. Als Salonhooligan bin ich es mir schuldig, und als solcher habe ich auf dem Fußballfeld bis auf das Spiel gegen Serbien und das wirklich krachend enttäuschende Spiel gegen Spanien guten Fußball und gute Fußballer gesehen. Natürlich freue ich mich, wenn darunter gute Leute sind, die hier geboren und aufgewachsen sind. Das weist natürlich nur in eine gute Richtung. Aber ich bitte darum, das mit der Repräsentationspolitik nicht zu übertreiben.

Sie werden oft als Beispiel einer gelungenen Integration genannt. Wieso lief es bei Ihnen so gut?

Ich bin ein Schreiber. Wenn man von Erfolg und Ankunft im Zusammenhang mit mir spricht, dann darf man die Verzweiflung und Erfolglosigkeit meiner Jahre, bevor das mit den Büchern anfing, natürlich nicht verschweigen. Ich bin ein doppelter Studienabbrecher, ich habe keine Ausbildung, und ich bin ganz sicher kein glänzendes Vorbild für andere Menschen. Außerdem ist es eine Frage des Taktes, dass man sich nicht ins Spiel bringt, um dann zu sagen: Seht her, ich habe es anders gemacht, und wenn ihr auf meinen Spuren wandelt, so wird euch auch alles gelingen. Ich bin eher ein Paradebeispiel dafür, wie alles misslingen kann, dass man eben nicht Menschen mit technischen Begriffen beikommen kann. Das Wort “Integration” stammt aus dem Technokraten-Jargon, und ich kann damit herzlich wenig anfangen. Wofür ich stattdessen eintrete ist, dass man bitte schön nicht zu feige sein soll, um von Deutschland als seiner Heimat zu sprechen.

Auf der einen Seite haben wir bedauernswerte Populisten, die (Überfremdungs-)-Ängste schüren. Schwätzer von diesem Schlage wird es auch in Zukunft geben. Ich bestehe aber darauf, dass die Geschichte der Einwanderung in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist. Ich bestehe darauf, dass man die Männer und Frauen der ersten Generation – der goldenen Generation – bitte schön mit Respekt behandeln mag. Ich bestehe darauf, dass Populisten und Menschen, die abfällig daher reden und auch noch von sich behaupten, dass sie mutig seien, mit Verachtung gestraft werden.

Ich bestehe aber auch darauf, weil es die Realitäten Deutschlands widerspiegelt, dass herkunftsfremde Deutsche, die hier aufgewachsen sind, doch bedenken mögen, dass Deutschland ihr Land und ihre Heimat ist. Im Grunde genommen sind sie auch Deutsche. Die kurdisch-, türkisch- und anderen fremdstämmigen Deutschen brauchen kein Vorbild. Sie sind zu klug, um sich an den Realitäten und Fakten des Lebens zu orientieren, und nicht an einem Filmemacher, Schriftsteller oder einer Nachrichtensprecherin. Das haben sie gar nicht nötig.

Sind Begriffe wie Multikulturalismus oder Integration längst überholte Begriffe, wie der Migrationsforscher Mark Terkessidis in seinem Buch “Interkultur” ausführt? Sie beispielsweise wurden zu Anfang Ihrer Schriftstellerlaufbahn der “Migrantenliteratur” zugeordnet.

Es ist mir eine große Freude zu sehen, dass die Technokraten, die das Leben ideologisch verkrümmen, und die Populisten und Hysteriker der Wirklichkeit hinterher hecheln. Man kann es natürlich tun. Man kann in seiner warmen Stube hocken und auf eine bestimmte Klientel schielen, und dann anfangen zu fluchen. Man kann Menschen, die sich zunächst einmal nicht wehren können, denunzieren. Das ist eine Frage des Niveaus und sei jedem freigestellt.

Heißt das, man muss sich von dieser Terminologie lösen, um die Debatte in eine andere, positivere Richtung zu lenken?

Es ist tatsächlich so, dass die jungen Männer und Frauen nicht nur aufgehört haben, Migranten zu sein, sondern dass man bei ihnen die Zuschreibung “herkunftsfremd” auch streichen kann. Man darf einen Fehler nicht begehen: Man darf nicht versuchen, mit den Begriffen aus dem Soziologie-Seminar und den Redaktionsstuben Phänomene der sogenannten Unterschicht begreifen zu wollen. Das ist ein großer Fehler, und ich sehe seit 20 Jahren, dass dieser Fehler bewusst oder unbewusst begangen wird, um zu bestimmten Schlüssen zu kommen.

Was sind das für Schlüsse? Die Türken können nichts! Wenn man von Ausländern spricht, dann meint man eigentlich die Türken. In den vergangenen Jahren wurde das Fremde mit dem Begriff “Moslem” kodiert. Also man meint den Türken oder Moslem, wenn man Ausländer sagt. Dann sagt man, diese Leute sind nicht angekommen, diese Leute können nichts, sie seien dumm und wollten sich abschotten. In jeder Szene und Schicht der deutschen Gesellschaft, in jeder Klasse gibt es Menschen, die sich abschotten. Wenn man von Abschottungspolitik spricht, dann sollte man sich nicht an die fremdstämmigen Deutschen halten, sondern eher an die Großbürger, also an die Spitzen der Gesellschaft. Da lernt man, was Abschottungspolitik ist. Auf die einfachen Menschen, das einfache Volk einzudreschen, hat eine lange Tradition. Ich bin nicht willens darauf einzugehen. Tatsächlich sollte man auch nicht mehr versuchen, mit den alten Dickköpfen zu sprechen. Das langweilt mich, und das langweilt vor allem die Menschen da draußen. Es ist so oft gesagt worden: Es ist ein soziales Problem und kein kulturelles. Wenn man, statt auf die eigentlichen ökonomischen und sozialen Probleme Deutschlands hinzuweisen, die Diskussion kulturalisiert, dann ist das lumpig. Deutschland ist viel weiter.

Sie bezeichnen sich als Deutscher und Kiel als Ihre Heimat. Vor kurzem wurden Sie von einem Schriftstellerkollegen als “Ärmelschonerliterat” bezeichnet: Sie würden sogar Gartenzwerge sammeln, damit man bloß nicht auf die Idee komme, dass Sie kein Deutscher sind.

Als ich das las, war ich sehr erschrocken, weil bei mir in der Küche ein Mehlsack umfiel. Es ist seltsam, dass ich in der Vergangenheit ausgerechnet von Menschen, von denen man eine gewisse Einsicht erhofft, heftige Nackenschläge bekam. Es geht hier um mein Selbstverständnis, es geht mir nicht darum, mich zu verkleiden, um dann in den Augen der Menschen besser dazustehen. Im Grunde genommen lache ich nur noch darüber. Das ist ja nicht das erste Mal, dass man es mit einer Denunziation versucht und glaubt, mich treffen zu wollen. Ich grinse nur, und das ist keine Koketterie. Ich sage da nur, jeder kann machen, was er will. Man kann das lustig finden, man kann das lächerlich finden, man kann sogar mich als eine lächerliche Figur ansehen, nur Fakt bleibt: Ich bin ein gut gelaunter Deutscher!

http://www.bpb.de/publikationen/3QNA9T,0,0,Ein_Teil_Deutschlands_mit_etwas_mehr_Farbe.html#art0

“Deutschland kreiert sich neu.”

Mo Asumang ist mit ihrem Film Roots Germania regelmäßig auf Tour. Er wird in Schulen und Jugendeinrichtungen vorgeführt. Im Rahmen dieser Vorführungen besteht die Möglichkeit, über rechtsextreme Gewalt, Einschüchterung, Ideologie, Rassismus und Demokratiefeindschaft, aber auch Zivilcourage, Mut, die Frage der Wurzeln (roots) Einzelner und von Gruppen und ihre demokratische Integration ins Gespräch zu kommen. Ein aktuelles Projekt, an dem Mo Asumang mitwirkt, ist das HomeBase-Projekt. Es ist ein ortsspezifisches Projekt für öffentliche Kunst, das sich zur Aufgabe gemacht hat, eine interdisziplinäre und kontextbezogene Untersuchung des Archetypus von Heim/Zuhause (Home) anzuregen. Das bisher jährlich in New York stattfindende Projekt hat bereits internationale Anerkennung gefunden. HomeBase integriert zeitgenössische Kunst im städtischen Alltag und macht sie für die Öffentlichkeit erfahrbar. Es hinterfragt die Rolle von Kunst als Mittel der Kommunikation im interkulturellen, nachbarschaftsbildenden und sozialen Dialog. Dabei untersucht es in vielschichtiger Weise Aspekte von Heim/Zuhause durch interaktive, nachbarschaftsbezogene Kunstprojekte im urbanen Raum.

"Ein Teil Deutschlands, mit etwas mehr Farbe." (Foto: Tania Kelley)

"Ein Teil Deutschlands, mit etwas mehr Farbe." (Foto: Tania Kelley)

Eren Güvercin: Vor einigen Jahren wurden Sie öffentlich von einer Neonaziband bedroht. In Ihrem Film Roots Germania haben Sie anschließend den Germanenkult deutscher Neonazis hinterfragt.

Mo Asumang: Ich bin ja immer der Meinung, dass Deutschland ab und zu mal in den Spiegel schauen sollte, weil eine Gesellschaft natürlich immer im Wandel ist. Die Gesellschaft bleibt nicht so, wie sie ist, sonst würde ein Land erst gar nicht entstehen. In meinem Film Roots Germania habe ich mich hierzu auf Spurensuche gemacht und viel erfahren über die Geschichte Deutschlands. Es ist nicht zu fassen, wie Nazis die deutsche Geschichte missbrauchen, wie sie sich Symbole und Heldenfiguren klauen und Mythen verdrehen.

Kurz nach dieser Drohung haben Sie ein Fotoshooting in einem Brunhilde-Kostüm gemacht. Sie sagten, dass Sie durch diese überspitzte Form zeigen wollten, dass Sie auch deutsch sind. Woraus besteht die deutsche Identität?

Auch eine Identität ist im Wandel. Natürlich gibt es gewisse Dinge, die man über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg in gewissen Gebieten als Identität erarbeitet hat, aber dennoch liegt der Fokus darauf, dass wir uns verändern und dass wir ständig neu dazulernen. Eine Identität ist nicht etwas, was starr ist, sondern etwas, was sich ständig transformiert.

Sätze, wie “Geh doch dahin, wo du herkommst”, höre ich, Gott sei Dank, nicht mehr so oft. Aber es gab schon einige Leute, die mir im Laufe meines Lebens solch einen Satz an den Kopf geschmissen haben. Aber was bedeutet das eigentlich: Geh dahin, wo du herkommst? Ich kann natürlich nach Kassel gehen, da bin ich geboren, meine Migration besteht aus meinem Umzug von Kassel nach Berlin, das war 1986.

Das schlimme ist, dass man aufgrund der tiefsitzenden Unwissenheit zu Identitätsfragen in Deutschland und aufgrund der Hasspredigten der Neonazis leider sehr oft auf die Hautfarbe oder Religion reduziert wird. Ich finde es sehr wichtig, dass man solche Sätze “Woher kommst Du?” ganz normal beantworten kann. Ich möchte einfach antworten dürfen, dass ich aus Kassel komme, ohne dass die Leute in Gelächter ausbrechen. Leider, muss ich sagen, ist das im Jahr 2010 immer noch so. Die Leute lachen, wenn ich sage, ich komme aus Kassel, weil sie einfach nicht akzeptieren wollen, dass man vielleicht auch zwei Wurzeln hat. Weil mein Vater aus Ghana kam, sagt man dann: “Aahh, Du kommst aus Ghana.” Der Rest von mir, die deutsche Seite, dass ich hier geboren wurde, perfekt deutsch spreche, dass ich hier Abitur gemacht habe, und vielleicht sogar, dass ich gerade aus meinem Leben hier erzählt habe, all das wird einfach unterschlagen, als gäbe es das nicht. Das finde ich sehr schade.

Wie würden Sie sich selber bezeichnen: als schwarze Deutsche oder als Deutsche mit Migrationshintergrund?

Ich bin in der Initiative “Schwarze Deutsche”, und dort gibt es ständig die Diskussion, wie man sich bezeichnen sollte. Afro-Deutsche oder schwarze Deutsche ist dann das, worauf man sich in dieser Gruppe geeinigt hat. Ich persönlich gehe damit etwas lockerer um. Wenn ich mit meinen Freunden rede, dann sag ich auch schon einmal, dass ich Brownie bin. Ich habe damit gar kein Problem und nach meiner Filmarbeit mit Roots Germania erst recht nicht. Man könnte auch sagen, man ist Weltbürger, aber ein wenig Zugehörigkeit brauche ich dann doch.

Wann gehört man denn dazu? Was bringt die Menschen dazu, an der Gesellschaft teilzunehmen, und welche Rolle spielen soziale Unterschiede?

Integration fängt für mich in erster Linie damit an, dass ich als “Migrantin” irgendwo im Abbild der Deutschen auch sichtbar bin. Erstmal muss ich überhaupt wissen, dass ich existiere, und so was sieht man in erster Linie in den Medien. Dieses Abbild ist für mich der Anfang von Integration. Wenn dieses Abbild in einem großen Ungleichgewicht ist, wie es derzeit bei uns immer noch der Fall ist, dann kann man nicht von Integration sprechen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der 19 Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund haben. Aber das Abbild in den Medien liegt bei vielleicht zwei Prozent.

Als Beispiel können wir meine Person nehmen. Ich bin in Kassel aufgewachsen und habe eigentlich nie etwas gesehen, womit ich mich identifizieren konnte. Das Abbild von mir gab es höchstens mal in US-amerikanischen Serien oder Filmen. Wenn ich mir anschaue, was heutzutage in den Medien zu sehen ist, sieht es ziemlich mau aus. Für mich bedeutet Integration, dass ich Menschen mit Migrationshintergrund sehen kann, und dass sie auch “normal” abgebildet werden und nicht in irgendwelchen Klischees. Gerade im Bereich Medien muss man sich da noch mehr Mühe geben. Ich frage mich, wie passt es zusammen, dass alle zu Recht stolz waren auf die deutsche Nationalmannschaft während der Fußball-Weltmeisterschaft – das so genannte Rainbow-Team -, aber man gleichzeitig in Fernsehbeiträgen über Muslime noch immer hauptsächlich “Frauen mit Kopftuch und fünf Lidl-Einkaufstüten” sieht. Das geht einfach nicht.

Soziale Unterschiede sind das, worum es eigentlich geht. Man gehört natürlich verschiedenen Kulturkreisen an, aber letztendlich geht es einfach darum, wer sich ein angenehmes Leben leisten kann und wer nicht. Wer wenig Geld hat, wird es schwerer haben. Das Wort “Parallelgesellschaft” ist schon fraglich, da jeder irgendwie in einer Parallelgesellschaft lebt, weil er sein eigenes Universum hat und seine persönliche Identität schützt. Wenn Leute das in einer größeren Gruppe machen, dann könnte das vielleicht einen Grund haben?! Niemand würde das aus einem natürlichen Bedürfnis heraus machen. Jeder möchte mit seinem Nachbarn normal kommunizieren, seine Schulkameraden besuchen, jeder möchte zu einer großen Gruppe dazugehören, jeder möchte auch Teil des Landes, der Gesellschaft sein, in der er lebt.

Die Rhetorik hat sich in den vergangenen Jahren verschärft, insbesondere wenn es um in Deutschland lebende Muslime geht. Einige Stimmen befürchten, dass rechtsextreme Parolen wieder salonfähig werden. Wieviel kulturelle Differenz verträgt überhaupt eine Gesellschaft?

Eine Gesellschaft verträgt ganz viel kulturelle Differenz. Mit der kulturellen Vielfalt kommen natürlich auch Fragen hoch, wie man miteinander umgeht. Aber das ist auch ganz wichtig. Wenn wir keine Fragen haben, sei es in der Familie oder in der Gesellschaft, wie wollen wir uns dann weiterentwickeln? Wie man zusammenkommt, wie man etwas verändern kann, wie man wachsen kann, all diese Fragen sind essentiell dafür, dass eine Gesellschaft lebendig bleibt. Ich glaube auch, dass eine Gesellschaft durch kulturelle Vielfalt stärker wird. Es gibt natürlich Menschen, denen das zu viel ist. Sie können damit nicht umgehen, weil sie in ihren Denkstrukturen festgefahren sind. Die kommen aber auch nicht wirklich weit damit.

Kritiker meinen, nur wer alles bis auf seinen Namen aufgebe, habe in Deutschland eine Chance. In Deutschland spiele es immer noch eine sehr große Rolle, ob man “Stallgeruch” habe. Teilen Sie diese Sichtweise?

Stallgeruch, dazu fällt mir eine Geschichte ein: Neulich hat mir ein junger Deutschtürke erzählt, dass er auf Wohnungssuche mit seinem Namen Öztürk kaum Angebote bekam. Dann hat er sich aus Spaß mit dem Namen Müller am Telefon gemeldet, plötzlich kamen jede Menge Wohnungsbesichtigungsangebote. Mit solchen Ungerechtigkeiten und diesem Rassismus geht jede Migrationsgruppe anders um. Bei kleinen Migrationsgruppen herrschen ganz andere Gesetzmäßigkeiten als bei großen Gruppen. Muslime oder türkeistämmige Einwanderer bauen schon für ihre Kinder in jungen Jahren einen Schutzmantel auf. Wenn ich als kleines türkisches Mädchen zum Beispiel Rassismus ausgesetzt bin, habe ich natürlich eine große Community um mich herum, die mich schützen und in die ich mich zurückziehen kann, wenn ich will. Ich habe sehr viele deutsch-türkische Freunde, von denen einige irgendwann sagten, sie seien Türke und eben kein Deutscher. Das ist aber eher eine Reaktion auf Rassismus und Ungerechtigkeit, man würde von alleine nicht auf so etwas kommen. Man würde dann eher sagen, ich bin Deutsch-Türke, oder einfach, ich bin deutsch. Solch einen Schutzmantel hat man in den afrikanischen Communities nicht, weil sie zu klein sind. Es ist aber in jedem Fall ein Schutzmantel, eine Reaktion auf eine Gesellschaft, die einen eben nicht als normal annimmt, wie es eigentlich sein müsste.

“Deutschland schafft sich ab” war und ist eine kontrovers diskutierte These. Was für Auswirkungen werden die teils rassistischen Äußerungen der vergangenen Wochen wie beispielsweise, dass bestimmte Menschengruppen an sich fauler und dümmer seien, auf die Integrationsdebatten insgesamt haben?

Einige Migranten werden sich sicherlich zurückziehen und abkapseln. Andere wiederum werden auch wütend sein. Die meisten jedoch sind längst dabei, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, wie in jeder anderen Generation seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und auch lange davor. Ich kann dazu nur sagen: Deutschland kreiert sich neu. Ich persönlich werde mich nicht abkapseln, ich sehe keine Veranlassung dazu, da ich hier geboren, aufgewachsen und ein Teil Deutschlands bin, mit etwas mehr Farbe. Ich glaube auch, dass man sich nur dann abkapselt, wenn Kommunikation einschläft und keine Veränderungen in Sicht sind, aber genau das Gegenteil ist gerade der Fall.

Sicher gibt es fremdenfeindliche Ressentiments in der Bevölkerung, vor allem als Auswirkung der mangelnden Aufklärungspolitik, nicht, weil die Leute nicht in der Lage wären, Integration zu leben. Ich glaube das Miteinander von Menschen ist etwas menschliches, weil Menschen in der Gemeinschaft lernen. Im Normalfall macht einen “das Andere” neugierig, ein Instinkt, der zum Wachstum beiträgt. Es darf nicht sein, dass wir uns diese Neugier nehmen lassen, durch Bücher, die spalten wollen, statt zu fördern. Die Medien sollten aufzeigen, was an Meinungen zum Thema Integration da ist, und dann schauen, was der Ursprung dieser Gedanken ist. Nur wenn man etwas kennt, kann man auch etwas ändern. Vielleicht kommen erst einmal Ängste hoch, aber das ist gut, solange man darüber spricht. Die Medien sollten die Ängste der Menschen ernst nehmen und mit Diskussionsrunden, Filmen und Beiträgen zeigen, wie man diese Ängste auflösen kann. Die Zeiten sind für alle schwer.

http://www.bpb.de/publikationen/3QNA9T,1,0,Ein_Teil_Deutschlands_mit_etwas_mehr_Farbe.html#art1

Die zweite deutsche Einheit

Integration: Nicht nur die Migranten stehen unter Erfolgsdruck – Interview mit Thomas Krüger von der Bundeszentrale für politische Bildung

Thomas Krüger: "Es geht nicht um Gleichmacherei, sondern es geht darum, mit Unterschieden zu leben."

Thomas Krüger: "Es geht nicht um Gleichmacherei, sondern es geht darum, mit Unterschieden zu leben."

Viele Migranten sind aufgrund der Debatte rund um Sarrazins Buch enttäuscht. Einige Beobachter befürchten, dass die Migranten sich ausgegrenzt fühlen und sich jetzt erst recht abschotten werden.

Thomas Krüger: Ich glaube, das Problem in der Thematik ist, dass in dem öffentlichen und politischen Diskurs zu viel mit Sanktionen und Drohungen gearbeitet und zu wenig auf Teilhabe gesetzt wird. Im Grunde genommen waren wir in der Diskussion eigentlich schon viel weiter. Die Diskussion um Sarrazin, die Reaktionen darauf und auch die politischen Instrumentalisierungsversuche werfen uns immer wieder zurück, weil es natürlich auch in der Mehrheitsgesellschaft Unsicherheiten und Ängste gibt.

Für die Mehrheitsgesellschaft in Deutschland besteht das Problem darin, mit dieser Thematik umzugehen und sich den Entwicklungen hin zu einer offenen Gesellschaft zu stellen. Die Prozesse laufen schon lange. Die politische Bildung ist aber noch nicht so lange unterwegs. Man muss sich immer vor Augen halten, dass die Bundeszentrale für politische Bildung bis 2000 einen Erlass hatte, sich mit den Angeboten an das “deutsche Volk” zu wenden. Das kann man auch verstehen. Das hat zu tun mit dem Zweiten Weltkrieg und der Demokratieerziehung.

Aber im Jahr 2000 hat die damalige rot-grüne Bundesregierung diesen Erlass aufgehoben und uns gesagt, wir sollen uns an die “Bevölkerung Deutschlands” wenden. Damit hat sie dezidiert auf die plurale Gesellschaft, die es ja schon lange gibt in Deutschland, reagiert.

Schneeballsystem und Coachen

Mit welchen Inhalten und Formaten der politischen Bildung kann man Migranten erreichen, so dass sie sich in Politik und Gesellschaft mehr engagieren?

Thomas Krüger: Wir haben seitdem mit vielfältigen Formaten und Angeboten agiert. In unserem Publikationsbereich versuchen wir die Fachdebatten, die sich in dem akademischen Bereich abspielen, aber auch empirisches Datenmaterial zugänglich zu machen. Jeder Hochschullehrer, der sich mit diesen Themen beschäftigt, weist mittlerweile als Standard auf unsere Angebote hin.

Darüber hinaus versuchen wir mit Netzwerkarbeit zu operieren. Eine unserer favorisierten Strategien in dem Bereich ist mit Peer-Education-Strategien zu arbeiten, wir versuchen einzelne Leute in solchen Prozessen zu coachen und dann nach dem Schneeballsystem diese Ideen weiter zu tragen. Das ist sehr stark gespeist von der Erkenntnis, dass politische Bildung ohne Partizipation überhaupt nicht zu machen ist. Im Grunde genommen ist die Aktivierung und Beteiligung schon der erste wesentliche Erkenntnisschritt, der dann im Kontext von Wissensaustausch und Vernetzung dazu führt, dass Integration in solchen Bildungsprozessen zumindest immer einer der Dimensionen und Zielstellungen sein kann.

Staatliche Propagandamaschinerie? – ein Marketing-Problem

Wie wird Ihre Arbeit von jungen Migranten wahrgenommen?

Thomas Krüger: Dazu muss man natürlich sagen, dass junge Migrantinnen und Migranten, die sehr gute Bildungsabschlüsse hinlegen, nach wie vor die Angebote der politischen Bildung nur bedingt zur Kenntnis nehmen, weil wir auch ein Marketingproblem haben. Wir haben eine Untersuchung gemacht, weil wir das mitgekriegt haben, dass wir mehrheitsgesellschaftsdominant sind.

Das große Problem ist, dass viele Leute die Bundeszentrale eher für eine staatliche Propagandamaschinerie halten, was sie natürlich nicht ist, weil sie es von ihrer Entwicklung in den letzten Jahrzehnten gar nicht sein kann und auch nicht sein will. Es ist eine überparteiliche Einrichtung, die Bildungsangebote nach dem Kontroversitätsprinzip herstellt, d.h. vor allem den Nutzenden die Möglichkeit einräumt, sich ein eigenes Urteil zu bilden und gar nicht Urteile vorgibt. Insofern ist sie geradezu wie gemacht für Leute, die ihren eigenen Weg, ihre eigene Position in der Gesellschaft finden wollen.

Bei unserer Befragung hat sich genau dieses Vorurteil bestätigt. Es gab eine große Skepsis gegenüber dieser Institution. In einem zweiten Schritt haben wir die Angebote vorgeführt, und diese Angebote sind mit den Bestnoten bewertet worden. Gleichzeitig kam die Beschwerde, wieso man davon bisher nichts gewusst habe. Das zeigt eigentlich, wo das Problem bei der ganzen Geschichte liegt, nämlich darin, dass wir in der Gesellschaft offenbar keine durchlässige Kultur haben, die auch Vertriebswege ermöglicht. Dass also Leute, die sich für bestimmte Sachen interessieren, diese tatsächlich auch nutzen und für sich erschließen können.

Sportvereine, Kultur, Fernsehen und Computerspiele

Innerhalb der heterogenen Gruppe der so genannten politikfernen bzw. bildungsfernen Bürger bilden Menschen mit Migrationshintergrund einen großen Anteil. Wie erreichen Sie diese Bevölkerungsteile?

Thomas Krüger: Ich glaube, das ist ein Spezifikum in Deutschland, gerade auch weil Deutschland sich lange nicht als Einwanderungsland verstanden hat, und weil die Einwanderungsströme ganz bestimmten Kriterien folgten. Das sagen alle Soziologen, dass wir in Deutschland mit einer Unterschichtung der Gesellschaft zu tun haben. Das hat auch ganz stark mit Zuwanderung von Migranten zu tun. Und führt natürlich dazu, dass viele dieser Leute dann als “Bildungsferne” zu uns kommen. Man muss aber immer sagen, dass Bildungsferne genauso in der Mehrheitsgesellschaft zu finden sind.

Wir haben versucht, uns diesen Problemen zu stellen, und die doppelte Dimension in dem Bereich, nämlich einmal die sozialen Fragestellungen und die migrationsspezifischen Fragestellungen zu berücksichtigen, weil unsere Erfahrung ist, dass wir in der politischen Bildung absolut präzise sein müssen, was die Zielgruppen betrifft. Wenn wir nicht genau das Angebot auf die Zielgruppen zuschneiden, dann segelt das haarscharf an den Leuten vorbei. Deshalb ist es wichtig, sich kundig zu machen, die richtigen Multiplikatoren zu gewinnen und mit den Multiplikatoren vor allem Projekte zu entwickeln, die effizient sind.

Bei Bildungsfernen – ob in der Mehrheitsgesellschaft oder bei Migrantinnen und Migranten – spielt sich das in drei Bereichen ab: Erstens im sozialen Nahraum, d.h. man muss aus dem Elfenbeinturm einer Bundesbehörde ganz konkret in den sozialen Nahraum der Leute einsteigen, sich Partner suchen wie Sozialarbeiter, Sportlehrer und Leute, die im kulturellen Bereich unterwegs sind und die Jugendkulturen übersetzen. Da sind die für uns relevanten Ansprechpartner, mit denen wir versuchen, Projekte zu entwickeln.

Der zweite Punkt ist das Fernsehen. Fernsehen spielt eine wichtige Rolle, wenn man sich nur die Stundenaufteilung am Tag bei den entsprechenden Zielgruppen ansieht. Wir versuchen darauf zu reagieren, in dem wir bei der Entwicklung von Fernsehformaten mitwirken und Formate anregen, die politische Fragestellungen mit implizieren und enthalten.

Ein Beispiel: Wir haben mit dem von sehr vielen Leuten nicht ganz so toll gefundenen Sido kurz vor den Bundestagswahlen die Sendung ‘Sido geht wählen’ gemacht. Es war tatsächlich so, dass er mit 28 Jahren zum ersten Mal gewählt hat, und er versucht diesen Prozess nachvollziehbar zu machen. Das hat sehr viele Leute in diesem Bereich angesprochen. Genau das wollten wir erreichen. Wir wollten eine Kommunikation auf Augenhöhe, eine Kommunikation, die ehrlich ist, die nicht immer politisch korrekt ist, aber die die Leute aktiviert. Sie sollten sehen, dass auch sie eine Stimme haben, dass auch ihr Leben relevant ist und auch eine politische Bedeutung in der Gesellschaft hat.

Der dritte Bereich, der relevant ist, sind Computerspiele. Auch da versuchen wir mit verschiedenen Strategien das politisch lesbar zu machen. Die Bewertung von Spielen spielt da zum Beispiel eine Rolle. Da haben wir eine Webseite, die Usern, Pädagogen und Eltern beispielsweise anbietet, Spiele einzuordnen. Wir versuchen durch eine “Eltern-LAN” Eltern und Lehrern zu zeigen, was in dem Bereich überhaupt abgeht. Sie verstehen ja ihre Kinder oftmals gar nicht. Da gibt es dann die Debatte um die Killerspiele, und jeder denkt sich, um Gottes Willen, was machen da meine Kinder nur.

Vorbilder

Was für eine Rolle spielen Vorbilder wie Feridun Zaimoglu oder Fatih Akin bei jungen Migranten?

Thomas Krüger: Die bildungsaffinen jungen Migrantinnen und Migranten sind eigentlich die geborenen Vorbilder. Bei Integration von Migrantinnen und Migranten geht es, eigentlich wie in den ganzen sozialen Debatten um die Bildung in den 1960er und 1970er Jahren, um Aufstiegsszenarien in der Gesellschaft. Junge Migranten, die einen erfolgreichen Bildungsabschluss gemacht haben, die gute Jobs bekommen, die ein Standing haben, die mittlerweile Netzwerke bilden und in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, sind klassische Vorbilder.

Über diese Vorbilder kann man sehr viel an Durchlässigkeit und auch eine Integration erzeugen, weil es sich dann zeigt, dass jemand, der Karriere macht und öffentlich wahrgenommen wird, zwar sein eigenes Leben lebt, aber eben nicht in der Parallelgesellschaft, sondern mit beiden Beinen auf dem Boden einer pluralen Gesellschaft steht, provoziert, wahrgenommen wird und Impulse setzt. Das ist genau das, was die Gesellschaft braucht. Es geht nicht um Gleichmacherei, sondern es geht darum, mit Unterschieden zu leben.

Aussortiert

Wenn man sich aber einige Studien anschaut, wandern gerade die gut ausgebildeten Menschen mit Migrationshintergrund aus, weil sie im Ausland bessere Karrieremöglichkeiten sehen. Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu etwa sagt immer von sich, dass er ein deutscher Schriftsteller sei. Er wird aber oft nicht ernst genommen, wenn er dies sagt. Der Schriftsteller Maxim Biller hatte sich zum Beispiel jüngst in einem Interview darüber sogar lustig gemacht. Muss sich da nicht auch etwas in der Mehrheitsgesellschaft ändern?

Thomas Krüger: Ich glaube, dass viele Institutionen ihr altes Selbstverständnis in einer “voroffenen” Gesellschaft automatisch reproduzieren. Das sehen sie in verschiedenen Belangen. Das Beispiel von Zaimoglu und Biller ist ja nur eins, was sich eher auf der Feuilleton-Ebene abspielt. Das, was ganz konkret läuft, ist, dass man bei Bewerbungen Benachteiligungen erfährt. Bei den Auswahlprozessen werden Leute, die einen Migrationshintergrund haben, oftmals aussortiert. Bei den Ausbildungsplätzen ist das bei den Prozessen sogar nachgewiesen, dass diese Benachteiligungen und Diskriminierungen erfolgen.

Die Selektionsprozesse in Schulen haben extrem mit Migrationshintergrund zu tun. Kinder mit Migrationshintergrund haben sechs Mal schlechtere Chancen, obwohl sie dieselben Leistungen bringen. Kinder mit Akademikerhintergrund kriegen eine Gymnasialempfehlung, während die Kinder mit Migrationshintergrund höchstens eine Realschule-Empfehlung bekommen. Es gibt keinen sachlichen Grund dafür, aber diese hegemonialen Selbstverständnisse, die gibt es in unserer Gesellschaft überall. Die Gesellschaft ist nicht durchlässig genug.

Das treibt natürlich die Leute automatisch dahin, wo sie bessere Chancen für sich sehen. Mittlerweile sieht man aber – und das ist höchste Zeit – den riesigen Fachkräftemangel in Deutschland. In Sachsen konnte man vor Kurzem lesen, dass ein Drittel der Ausbildungsplätze nicht besetzt werden konnte. Das ist das erste Mal seit 20 Jahren, sonst hatte man immer zu viele Bewerber.

Alle sind unter Erfolgsdruck beim Exportweltmeister

Ist die Gesellschaft dann nicht unbedingt angewiesen auf eine gelungene Integration?

Thomas Krüger: Ja, sie ist geradezu strukturell auf gelungene Integration angewiesen. Diese Gesellschaft hat durch die demographische Entwicklung ein fundamentales Problem bekommen. Ohne Integration wird das hier nicht mehr funktionieren. Das wirtschaftliche Niveau und Deutschlands Position als Exportweltmeister werden sonst sehr schnell der Geschichte angehören. Insofern sind eigentlich alle unter Erfolgsdruck. Die Institutionen selber müssen sich verändern. Der klassische öffentliche Dienst ist eine ‘migrantenfreie Zone’, wenn man es mal hart formulieren sollte. Behörden, die da einen Schritt weiter gehen, werden mit Argusaugen angeguckt. Normale Ausschreibungsbedingungen sind ja auch so formuliert, dass sich eigentlich nur der angesprochen fühlt, der der Mehrheitsgesellschaft angehört.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hatte sich lange gefragt, wie gehen wir eigentlich mit Ost und West um. Als ich 2000 Präsident der Bundeszentrale wurde, habe ich die Anzahl der ostdeutschen Mitarbeiter verdoppelt. Das war damals ein Politikum, aber sehr schnell wurde das durch die Erfahrung und einen sachlichen Umgang mit der Thematik ein Thema, das man sehr schnell in den Griff bekommen hat. Das Problem hier ist jetzt sozusagen die “zweite deutsche Einheit”, nämlich eine Integration von denen, die schon seit Jahrzehnten hier leben und der Mehrheitsgesellschaft, die sich einfach nie als Einwanderungsgesellschaft, als offene Gesellschaft gesehen hat.

Mittlerweile arbeiten hier etliche Leute in den verschiedensten Bereichen, die einen Migrationshintergrund haben, und nach vier bis sechs Wochen sind die Teams völlig neu aufgestellt, weil einfach Erfahrungen, Netzwerke, Autorengewinnung ganz anders funktionieren und viel offener stattfinden. Das ist, glaube ich, der entscheidende Punkt, nämlich, dass wir etwas gewinnen durch gelungene Integration, und nicht irgendwie uns in Gefahr begeben. Ich halte von dieser alarmistischen Diskussion relativ wenig. Das mag natürlich damit zusammenhängen, dass Leute in der ehemaligen DDR eine massive Transformationserfahrung haben.

Die Zahlen belegen es ja. 80 Prozent der Leute sind innerhalb eines Jahres 1990 arbeitslos geworden oder mussten ihren Job wechseln. Diese fundamentale Transformationserfahrung gilt es eigentlich heute zu verknüpfen mit mehr Offenheit und mehr Durchlässigkeit in der Gesellschaft, damit die Leute mehr Chancen bekommen.

Bildungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien

Die Aufklärung der Jugendlichen über Ideologien wie dem Islamismus ist ein wichtige Angelegenheit. Niedersachsen plant, dass bereits an Grundschulen Präventionsprojekte durchgeführt werden sollen, und zwar vom Verfassungsschutz. Ist es nicht bedenklich, wenn der Verfassungsschutz politische Bildung betreibt? Anders gefragt: Gehört politische Bildung zu den Aufgaben von Nachrichtendiensten?

Thomas Krüger: Zunächst muss man ja sagen, dass in Niedersachsen die Landeszentrale für politische Bildung dem Erdboden gleich gemacht worden ist. Das ist vielleicht ein Grund dafür, dass der Bedarf durch andere Institutionen gesehen, erkannt und aufgegriffen wird. Insofern ist das ein hausgemachtes Problem. Wir haben eigentlich die Erfahrung gemacht, dass, was andere Institutionen betrifft, diese Debatte kaum auftritt, wenn Verantwortung eben wahrgenommen wird. Politische Bildung ist etwas, etwas sehr Besonderes in Deutschland. Es gibt eine sehr breite Infrastruktur und Träger, die sich gebildet haben, aber alles kommt eigentlich aus den 50er Jahren, also sprich der Aufarbeitung der eigenen brutalen Vergangenheit. Und das ist durch den Untergang der DDR sozusagen reproduziert und verdoppelt worden.

Eine Öffnung in breitere Themenfelder kann man eigentlich erst in den letzten zehn Jahren massiv beobachten. Der 11. September ist z.B. solch ein Datum, wo man sofort gesehen hat, dass das Ruder von vielen herum gerissen worden ist. Auf der anderen Seite muss man beim Thema Verfassungsschutz sagen, dass einer der Gründungsmythen der politischen Bildung diese Dimension von präventivem Verfassungsschutz ja auch war, nämlich wie kann man mit Bildungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien eine Verfassung schützen, und Entwicklungen hin zu totalitären Ideologien verhindern. Das ist in den 50er Jahren im Zuge der ganzen Gründungsdebatten sehr gut nachzuweisen.

Man ist ja damals nicht zum Ergebnis gekommen, wir gründen eine NGO für diesen Bereich, die möglich unabhängig und staatsfern ist, sondern Konrad Adenauer kam auf die Idee, für die politische Bildung braucht man eine staatliche Behörde. Wir haben uns davon emanzipiert, nur präventiver Verfassungsschutz zu sein. Wir wollen in der politischen Bildung Strategien der Aktivierung und teilhabenden Bildung fördern. Es geht deutlich über präventiven Verfassungsschutz hinaus. Es zielt auf eine lebendige, plurale und offene Demokratie ab.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33453/1.html

“Die Bild-Zeitung benutzte Sarrazin, wie ein Bauchredner seine Puppe”

Ein Gespräch mit Wolfgang Lieb, einer der Betreiber der NachDenkSeiten, über die rechtskonservative politische Meinungsmache der Springer-Presse

Der promovierte Jurist [extern] Wolfgang Lieb betreut gemeinsam mit Albrecht Müller (siehe [local] “Alleine mit den gezahlten Boni kann man eine unserer Parteien mehrmals kaufen”) die kritische Nachrichtensite [extern] NachDenkSeiten. Telepolis sprach mit ihm über “rechtskonservative politische Meinungsmache”.

"Es geht dabei nicht um Wahrheit, sondern darum solche populistischen Stammtischparolen hoffähig zu machen."

In einem [extern] Beitrag für die NachDenkSeiten haben Sie der Springer-Presse vorgeworfen, mit der Sarrazin-Debatte eine “rechtskonservative politische Meinungsmache” zu betreiben. Inwiefern?

Wolfgang Lieb: Zunächst: Bevor die Bild-Zeitung am 23. August ihre “neue Serie” als Aufmacher mit einer Balkenüberschrift “Deutschland wird immer ärmer und dümmer!” an sein Millionen-Publikum hinausposaunte und tagelang Sarrazins ausländer- und islamfeindlichen Parolen teilweise sogar mehrere Seiten widmete, war dessen Buch noch gar nicht erschienen, geschweige denn allgemein bekannt. Bild veranstaltete natürlich gleich eine Internet-Leserumfrage mit der suggestiven Frage “Ja, Sarrazin legt die Finger in unsere Wunde!” und – wie nicht anders zu erwarten – stimmten 90 Prozent der Teilnehmer zu. Spätestens als dann auch noch Der Spiegel – die Bild-Zeitung für die selbst ernannte Intelligenz – gleichfalls einen Vorabdruck veröffentlichte, war das Thema in aller Munde. Springers Bild verpasste Sarrazin das Image eines “Klartext-Politikers”, der endlich einmal den “naiven, gutmenschelnden, verlogenen” Politikern und Journalisten schonungslos die Wahrheit verkündete. Es ist die gleiche demagogische Methode, wie sie auch der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders oder der französische Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen benutzen. Die Bild-Zeitung inszenierte Sarrazin als Tabu-Brecher einer angeblich kleingeistigen und die Tatsachen verschleiernden “political correctness”. Bild wusste genau (oder hätte es wissen müssen), dass Sarrazin mit seiner These von den aussterbenden Deutschen sein Spiel mit menschlichen Urängsten spielte.

“Klassenkampf im Armenhaus”

Aber geht die Springer-Presse nicht vielmehr auf bestimmte gesellschaftliche Realitäten ein?

Wolfgang Lieb: Die Behauptung, dass hier endlich einer die ungeschminkte Wahrheit sage, gehört mit zu den gröbsten Irreführungen dieser Kampagne. Seit Jahren konnte man in jedem sogar amtlichen Bildungsbericht nachlesen, dass der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund unter den Schulabbrechern deutlich überdurchschnittlich ist, dass solche Kinder in den weiterführenden Schulen unterrepräsentiert sind, dass ein hoher Prozentsatz ohne Berufsausbildung bleibt. Schon immer wurde auf die Sprachbarrieren hingewiesen. Die Städteplaner warnten schon seit langem vor Ghettobildung und “Parallelgesellschaften” in den Großstädten. Die Tatsachen lagen längst auf dem Tisch. Im Unterschied zu Sarrazin stellten aber alle diese Berichte über die gesellschaftliche Realität Anforderungen an die Politik, wie man die vorhandenen Probleme angehen könnte. Aber über das Versagen der Politik wollte man natürlich nicht so gerne reden, das hat keine Schlagzeilen gemacht. Sarrazin fragt aber gerade nicht nach den Ursachen und schon gar nicht nach seinen eigenen Fehlern – etwa als Berliner Finanzsenator – beim Zulassen oder Herbeiführen der entstandenen Probleme, sondern er weist die Schuld pauschal denen zu, die in den Problemen stecken und Probleme machen.

Insofern passt Sarrazin in das gängige Muster der Bild-Zeitung Ängste und Zorn der Masse der Menschen – statt gegen die herrschende Politik – gegen Minderheiten oder in der sozialen Hierarchie Unten-Stehende zu lenken. Es ist das alte Spiel der Oberklasse, die Kritik an der sozialen Spaltung umzulenken auf den “Klassenkampf im Armenhaus”. Die regelmäßigen Kampagnen der Bild-Zeitung gegen angeblich schmarotzende Hartz IV-Empfänger waren nach dem gleichen Strickmuster angelegt. Mit der Propaganda über den Missbrauch von Sozialleistungen lässt sich auch wunderbar von den viel größeren Skandalen, etwa der Gier der Spekulanten im Finanzcasino ablenken. Die Bild-Zeitung benutzte Sarrazin, wie ein Bauchredner seine Puppe. Die Puppe durfte all das aussprechen, was eigentlich aus dem Bauch der Redaktion kam und was man sich selbst nicht zu sagen traute.

Massive Aufforderung an diese Parteien, sich solchen Positionen anzunähern

Übt die Springer-Presse damit Druck auf politische Parteien aus, sich mehr nach rechts zu orientieren, in dem sie Sarrazin stark macht?

Wolfgang Lieb: Die Bild-Zeitung betreibt ein doppelbödiges Spiel. Zuerst schürt man in der Bevölkerung Ängste vor einer Überfremdung in Deutschland und lenkt die Wut erst so richtig auf schmarotzende Ausländer und vor allem auf kulturell, ja sogar genetisch angeblich minderwertige Einwanderer aus islamischen Ländern. Man vergiftet das Meinungsklima, indem man latent vorhandene Stimmungen gegen Minderheiten und Randgruppen anheizt. Und wenn der Volkszorn dann erst so richtig geschürt ist, dann verlangt man von den Parteien, diesem Druck endlich nachzugeben.

Mit einer von Bild am Sonntag in Auftrag gegebenen ziemlich dämlichen Umfrage “Wie groß wäre eine Partei der Unzufriedenen?” wird dann Unruhe und Verunsicherung in die Parteien hineingetragen, indem man die Gefahr einer rechten Sarrazin-Partei an die Wand malt (siehe dazu [local] 18-Prozent-Potenzial für Sarrazin-Partei). Es ist ja bekannt, dass die Parteien am sensibelsten reagieren, wenn sie befürchten müssen, dass ihnen die Wähler (es sind überwiegend Männer) davon laufen. Wenn dann Umfragewerte veröffentlicht werden, dass 59% der CDU/CSU-Wähler oder 50% der SPD-Anhänger “Ja” zu den Sarrazin-Parolen sagen, dann ist das nichts anderes als eine massive Aufforderung an diese Parteien, sich solchen Positionen anzunähern.

“Volkes Stimme” mal erwünscht, mal unerwünscht

Wie bewerten Sie allgemein die Rolle bestimmter Medien, wie etwa der Springer-Presse, bei Themen wie “Rente mit 67″? Bei diesem Thema wie auch beim “Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr” warnt die Bild-Zeitung ja – im Gegensatz zur Sarrazin-Debatte – nicht der Meinung der Bevölkerungsmehrheit zu folgen…

Wolfgang Lieb: Das ist ja gerade das perfide an der gegenwärtigen Diskussion: Bei der Integrationspolitik verlangen viele Medien plötzlich, dass die Politik endlich auf “Volkes Stimme” hören soll. Während bei zentralen Fragen, die die Bevölkerung viel unmittelbarer betreffen, die meisten Journalisten es als alternativlos oder “objektiv notwendig” verteidigen, wenn die Politik sich gegen den Willen einer ganz überwiegenden Mehrheit stellt.

Sie haben ja einige der Themen schon genannt: Laut Politbarometer von Ende August halten 76% der Befragten die Rente mit 67 für “nicht richtig” oder 56% sind gegen eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke und seit eh und je gibt es zwei Drittelmehrheiten gegen den Afghanistaneinsatz – in der letzten ARD-Umfrage sprachen sich 70% für einen möglichst schnellen Rückzug der Bundeswehr aus.

Doch nicht nur in der Springer-Presse, sondern im gesamten Medienmainstream wird seit Jahren bei diesen Themen die Regierungspolitik gegen die Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung wortreich gelobt. Da bringt die Bild-Zeitung nicht über Seiten hinweg Leserkommentare etwa gegen die Rente mit 67. Das zeigt die ganze Doppelbödigkeit dieser Kampagne. In der Attitüde, Sarrazin vertritt zwar drastische Thesen, aber in der Sache hat er recht, macht man sich mit seinen Parolen gemein.

Ablenkungsfunktion und “fremdgesteuerte” Parteien

Hat der Druck der Springer-Presse gegen die politischen Parteien Wirkung?

Wolfgang Lieb: Die Bild-Zeitung maßt sich die Rolle des Sprachrohrs der “schweigenden Mehrheit” gegen die “abgehobenen Parteien” an. Sie erinnern sich vielleicht z.B. an die Kampagne gegen “Florida-Rolf”, einem Menschen, der seine Sozialhilfe nach Florida überweisen ließ, da wurde innerhalb von Tagen ein Gesetz geändert, um dies auszuschließen. Wenn die Bild-Zeitung ein Thema hoch zieht, kommen die Parteien inzwischen gar nicht mehr darum herum, zu reagieren. Die Kanzlerin sah sich bei ihrer jüngsten Rede anlässlich der Verleihung eines Medienpreises gezwungen, sich über ganze Passagen mit den Bild-Veröffentlichungen zu Sarrazin auseinanderzusetzen.

Und Sie sehen doch , wie anlässlich des Entlassungsgesuchs des Vorstands der Bundesbank mit inzwischen 60.000 in diesem Blatt vorgedruckten Briefen Druck sogar auf den Bundespräsidenten ausgeübt wurde. Man kann doch beobachten, wie die SPD wegen eines Parteiausschlussverfahrens in die Defensive gebracht wird. Eine Partei, die sich in Ihrem Godesberger Grundsatzprogramm auf die christliche Ethik, den Humanismus und die klassische Philosophie als ihre geistigen Wurzeln bezieht, hat inzwischen offenbar Schwierigkeiten sich von Vertretern rassistischer Thesen abzugrenzen und findet nicht mehr den Mut, sich in eine offene inhaltliche und argumentative Auseinandersetzung mit Sarrazin zu begeben. Selbst die Partei DIE LINKE tut sich offenbar schwer damit. Die Reaktionen der Parteien werfen ein Schlaglicht darauf, wie stark inzwischen nahezu alle Parteien fremdgesteuert sind und wie sehr oligopolistische Medienkonzerne zusammen mit PR-Organisationen von Lobbygruppen die Politik im Lande bestimmen.

Was für eine Funktion hat diese Hetze gegen Minderheiten, Randgruppen oder sozial Benachteiligte, gerade im Hinblick auf die Finanzkrise?

Wolfgang Lieb: Ganz klar eine Ablenkungsfunktion. Das sozial völlig unausgewogene “Sparpaket” wird nur noch am Rande erwähnt, die Finanz- und Wirtschaftskrise wird zur Nebensache, ihre schwerwiegenden Folgen ins Kleingedruckte verdrängt und die Frage, wer für die Krise bezahlen muss, wird schon gar nicht mehr gestellt. Endlich hat man einen Sündenbock für eine verfehlte Bildungspolitik, für das Ausbluten der Sozialkassen, für Jugendgewalt, für die hohe Arbeitslosigkeit, für die zunehmende Spaltung der Gesellschaft usw. gefunden. Für nahezu alles, was schief gelaufen ist und weiter falsch läuft, müssen die bildungs- und integrationsresistenden Muslime als Schuldige herhalten.

Erhebliche Auswirkungen auf die solidarische Einstellung gegenüber anderen Menschen

Worin sehen Sie die Ursachen für das Anwachsen der Ausländerfeindlichkeit, und im speziellen der Islamfeindlichkeit?

Wolfgang Lieb: Zahlreiche Studien, wie etwa die langfristig angelegte Untersuchung des Bielefelder Konflikt- und Gewaltforschers Wilhelm Heitmeyer, belegen seit vielen Jahren, dass rechtsextreme Einstellungen in Deutschland bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein verbreitet sind. Dass Ausländer nur hier her kämen um den Sozialstaat auszunutzen oder dass Deutschland in einem gefährlichen Maße überfremdet sei, stößt auf weitverbreitete Vorurteile. Mit Bertolt Brecht könnte man sagen: “Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.” Obwohl schon Anfang der 50er Jahre die ersten Italiener illegal ins Land geholt wurden und das erste Anwerbeabkommen mit der Türkei schon im Jahre 1961 abgeschlossen wurde, haben vor allem die konservativen Parteien die Erkenntnis verweigert, dass Deutschland – wie übrigens andere europäische Länder auch – ein Einwanderungsland ist. Mit ausländerfeindlichen Parolen machten z.B. Roland Koch mit seiner Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft oder Jürgen Rüttgers mit seinem Spruch “Kinder statt Inder” erfolgreiche Wahlkämpfe. Obwohl die Wirtschaft die Ausländer selbst ins Land geholt hat, um eine industrielle Reservearmee zur Verfügung zu haben, haben vor allem CDU und CSU, aber auch andere ständig das Signal ausgesandt: “Ihr seid hier unerwünscht”. Diejenigen, die sich für eine Politik der Integration einsetzten, wurden als Multikulti-Ideologen abgetan. Heitmeyer hat nachgewiesen, dass Fremdenfeindlichkeit eine ursächliche Folge der zunehmenden Unsicherheit um den Arbeitplatz und der sich ausbreitenden prekären Beschäftigung ist. Der ansteigende Druck ökonomischer Verhältnisse und die Ausgrenzung der Markwirtschaft auf eine “Marktgesellschaft” haben erhebliche Auswirkungen auf die solidarische Einstellung gegenüber anderen Menschen. Nur wer etwas leistet, zählt, der Rest wird als Last empfunden.

Es ist also ein leichtes Spiel für soziale Demagogen, Ängste, Wut und sogar Hass gerade der verunsicherten Mittelschicht auf Minderheiten zu lenken, die an den Rand gedrängt wurden und angeblich der Gesellschaft zur Last fallen. Muslime oder Ausländer mit einem islamischen kulturellen Hintergrund können von Rechtspopulisten besonders leicht stigmatisiert werden, weil ihre Kultur und Religion besonders fremd ist. Die dem Islam zugeschriebene Terrorgefahr tut ihr Übriges, um Ängste zu schüren.

“Das wird man ja wohl noch sagen können”

Von Leuten, die mit Sarrazin sympathisieren, hört man oft, dass endlich jemand den Mut habe, die Wahrheit zu sagen. Wie bewerten Sie diese Äußerungen?

Wolfgang Lieb: “Das wird man ja wohl noch sagen können”, lautete am vergangenen Samstag der ganzseitige Aufmacher: “Auf den Schulhöfen muss Deutsch gesprochen werden”, “Wer Arbeit ablehnt, verdient keine Stütze”, “Ich will mich nicht dafür entschuldigen müssen, ein Deutscher zu sein”, “Nicht wir müssen uns den Ausländern anpassen, sondern sie sich uns” und so weiter. Gerade nicht in mutiger sondern in feiger Manier versteckt die Bild-Zeitung hinter angeblichen Lesermeinungen, das, was die Redaktion selbst sagen will und bisher sich so offen nicht zu sagen traute. “Diese Sätze muss man sagen dürfen, weil…”. Alle diese Sätze sind Halbwahrheiten und damit ganze Lügen über die wirklichen Lebensumstände. Es geht dabei auch nicht um Wahrheit, sondern darum solche populistischen Stammtischparolen hoffähig zu machen. Und wie das Echo zeigt, ist das weitgehend gelungen. Laut Umfragen findet ein Grossteil der Befragten, dass Sarrazin mit seinen rassistischen Thesen, “den Finger in die Wunde legt”. Auch in vielen Medien gilt er als “Tabubrecher zum Wachrütteln”, und in den gepflegteren Milieus stört man sich oft nur an der nicht gerade tischfeinen Ausdrucksweise. Deutschlands Biedermänner spielen wieder einmal die Arglosen, die dem Brandstifter sogar noch die Zündhölzer reichen. Erst langsam greift eine sachlich fundierte Widerlegung Platz. Sie macht natürlich keine Schlagzeilen.

Oft werden Kritiker als Gegner der “Meinungsfreiheit” abgestempelt. Nach Sarrazins Rückzug vom Vorstand der Bundesbank wird er von vielen geradezu zum “Märtyrer der Meinungsfreiheit” hochstilisiert. Es geht hier aber gar nicht um “Meinungsfreiheit”, denn solche Meinungen werden seit langem in rechten und rechtsextremen Kreisen ganz offen vertreten und sanktionslos publiziert. Im Unterschied zu heute wurden solche Parolen in der öffentlichen Debatte aber bisher als rassistisch und fremdenfeindlich kritisiert und mit Fug und Recht zurückgewiesen. Die Bild-Zeitung und anderer Medien haben sich Sarrazins bedient und unter dem Tarnwort der Meinungsfreiheit Rassismus und Biologismus und die Abwertung der islamischen Kultur wie ein trojanisches Pferd in die Stadt hereingelassen. Und wie ein “Trojaner” die Festplatte eines Computers zerstört, werden damit die Gehirne vieler Menschen mit rechtem und rechtsradikalem Gedankengut infiziert.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33301/1.html