Eure Verbotsdebatten helfen den Falschen!

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In ihrem Wahlprogramm für die österreichischen Nationalratswahlen fordert die ÖVP von Bundeskanzler Sebastian Kurz ein Kopftuchverbot für Kinder bis 14 Jahren und alle Lehrerinnen an öffentlichen Schulen. Auch bei uns in Deutschland werden in regelmäßigen Abständen reflexhaft Verbote gefordert. Auch in diesem Jahr dominierten vor dem Fastenmonat Ramadan Begriffe wie »Kinderfasten« und »Kinderkopftuch« den Diskurs. Der muslimischen Mehrheit ist beides fremd. Es findet sich in den relevanten Quellen auch keine Grundlage dafür, dass Kinder fasten sollten oder junge Mädchen ein Kopftuch zu tragen hätten.

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Krieg als Ausweg

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Zuerst verhandeln, jetzt bekämpfen – auch, weil sich der türkische Präsident Erdogan durch seine aktuelle Kurdenpolitik eine Ablenkung von innenpolitischen Krisen verspricht. Denn damit bedient er tief sitzende Feindbilder in der türkischen Bevölkerung.

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Der Konflikt mit den Kurden ist seit vielen Jahren eines der größten Probleme der Türkei. Seit der Gründung der türkischen Republik wurden der kurdischen Bevölkerung ihre elementaren Rechte vorenthalten. Seit der Gründung der PKK Anfang der 80er-Jahre kommt es im Südosten der Türkei immer wieder zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Die PKK hat dabei Nordsyrien und den Nordirak oft als Rückzugsgebiete genutzt. Militärische Operationen im Nordirak fanden seitdem in regelmäßigen Abständen statt. In Nordsyrien hielt sich die Türkei allerdings zurück, weil im Gegensatz zum Irak dort zunächst ein stabiles Regime herrschte. Weiterlesen

„Bei antisemitischen Stereotypen müssen wir widersprechen“

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Ist der Islam antisemitisch? Wie verändert die Migration die deutsche Erinnerungskultur? Kann Solidarität mit Israel von zugewanderten Syrern oder Irakern verlangt werden? Ein jüdisch-muslimisches Gespräch zwischen dem Historiker Michael Wolffsohn und dem Journalisten Eren Güvercin

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Unlängst wurde bekannt: Der beliebteste Name für neugeborene Babys in Berlin ist Mohammed. Freut Sie das, Herr Güvercin?

Eren Güvercin: Zunächst einmal amüsiert mich die breite mediale Aufmerksamkeit für diese Nachricht. Dann befremdet mich die vorhersehbare Dynamik aus Empörung und Gegenempörung. Obwohl ich Muslim bin, sehe ich das Spektakel aus der Position eines Beobachters. Es betrifft mich eigentlich nicht.

Wie sehen Sie das, Herr Wolffsohn? Manifestiert sich in der zunehmenden Häufigkeit des Jungennamens Mohammed eine schleichende Islamisierung?

Michael Wolffsohn: Das wäre zu einfach. Ich habe zwei Bücher geschrieben über Vornamen als vordemoskopische Indikatoren – einmal über „die Deutschen“, einmal über „die Juden“. Vornamen sind ein gesellschaftlicher Maßstab. Die Häufigkeit muslimischer Vornamen deutet darauf hin, dass die muslimische Gemeinschaft ein starkes, sich von der Mehrheitsgesellschaft abgrenzendes Wir-Gefühl hat. Sie sind zugleich Staatsbürger wie alle anderen und wollen doch nicht so richtig dazugehören. Das war und ist bei Juden ganz anders. Die wählten allgemeine Vornamen. Auf jeden Fall erkennen wir hier eine Herkulesaufgabe für die Integrationspolitik. Weiterlesen

Jüdisch-muslimisches Streitgespräch

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Ist der Islam antisemitisch? Wie verändert die Migration die deutsche Erinnerungskultur? Kann Solidarität mit Israel von zugewanderten Syrern oder Irakern verlangt werden? Ein jüdisch-muslimisches Münchner Gespräch zwischen dem Historiker Michael Wolffsohn und dem Journalisten Eren Güvercin in der aktuellen Ausgabe des Cicero Magazins.

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Eren Güvercin: „Wir dürfen es uns nicht so einfach machen und alle Probleme an Staat und Gesellschaft delegieren. Das machen manche Verbandsfunktionäre gerne. Bei der Vermittlung der deutschen Erinnerungskultur an zugewanderte Menschen mit einem ganz anderen biografischen Hintergrund sollten die Muslime eine Schlüsselrolle spielen. Erinnerungskultur muss verstärkt neu gedacht und konzipiert werden. (…) Wir als muslimische Gemeinschaft tun uns keinen Gefallen, wenn wir sagen, dass es im Islam keinen Antisemitismus gäbe. Das sind Floskeln, die zwar immer wiederholt werden, aber am Ende nicht überzeugend wirken, denn es gibt Muslime, die antisemitisch sind. Ich denke, dass wir als deutsche Muslime eine große Verantwortung haben, neu zugewanderten Muslimen Sensibilitäten unserer Gesellschaft zu vermitteln. Nicht mit dem moralischen Zeigefinger, sondern basierend auf der islamischen Lehre und vor dem Hintergrund der besonderen deutschen Geschichte.“

Das vollständige Streitgespräch im aktuellen Cicero Magazin.

Alles wird gut – Was bedeutet Imamoglus Sieg für die Türkei?

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Der Sieg von Imamoglu bei der Wahl in Istanbul war für viele Beobachter nicht wirklich überraschend. Viele hatten darüber gerätselt, wieso es Erdogan darauf ankommen lässt, ein zweites Mal die Wahlen in Istanbul zu verlieren. Man kennt ihn eigentlich als einen Politiker, der aus Wahldämpfern immer die richtigen Lehren zielt und stärker zurückkommt. Aber zum ersten Mal in seiner politischen Karriere hat er einen fatalen Fehler gemacht. Er hat Druck auf den Hohen Wahlrat gemacht, um den ersten Wahlsieg des CHP Kandidaten Imamoglu annulieren zu lassen. Einen Grund für diese Annullierung gab es nicht.

Was nach der Annullierung geschah, hat der CHP in die Karten gespielt, denn Erdogan und die von der AKP gleichgeschalteten Medien führten einen beispiellosen populistischen Wahlkampf gegen Imamoglu. Jedes Mittel war recht, um seine Wahl zum Bürgermeister der wichtigsten Wirtschaftsmetropole des Landes zu verhindern. Was wurde gegen ihn nicht ins Feld geführt? Mal war er ein verkappter Pontus-Grieche, weil seine Familie aus Trabzon am Schwarzen Meer stammte, und mal war er das Projekt dunkler ausländischer Mächte und Terrororganisationen, die aus Istanbul wieder Konstantinopel machen wollten. Man hat in bisher nie dagewesenem Ausmaße die Religion ins Spiel geführt. Gerade die Religionsbehörde Diyanet hat sich bereitwillig für die Instrumentalisierung der Religion zur Verfügung gestellt, Hunderttausende Menschen wurden zu einem Massengebet in freier Luft mobilisiert, die Erdogan auf skrupellose Art und Weise für seine Wahlpropaganda ausnutzte. Ein Sufi-Gelehrter, dessen Schwiegersohn zufälligerweise Aufträge in Millionenhöhe von der Stadt Istanbul zugeschoben bekam, erklärte wenige Tage vor der gestrigen Wahl die Wahlstimmen gegen den Kandidaten der AKP kurzerhand für haram, also religiös nicht erlaubt. Weiterlesen

#Christchurch

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Die zentrale Frage, die sich nach Terrorangriffen wie in #Christchurch stellt, ist, wie wir als Gesellschaft, Politik und Medien damit umgehen. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer twitterte: „Egal gegen wen sich Hass, Gewalt und Terror richten, am Ende sterben Menschen, verlieren Kinder ihre Eltern und Eltern ihre Kinder. Dafür kann es keine Erklärung und darf es nie Entschuldigung geben. Im Gedenken an Opfer in Christchurch nie einen Zweifel daran aufkommen lassen.“

Diese und ähnliche Stellungnahmen seitens der Politik sind bestimmt nicht der richtige Umgang mit dieser Form des Terrors. Man flüchtet sich in Floskeln, statt die Tatmotive beim Namen zu nennen. Wir haben es hier mit einem Terror zu tun, der gespeist wird vom Hass gegen Muslime. Dies muss man auch klar so benennen. Wenn man es nicht beim Namen nennt, wie es Bundeskanzlerin Merkel im Gegensatz zu Kramp-Karrenbauer sehr deutlich gemacht hat, kann man auch nicht das Problem wirklich angehen.

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An der Realität des Islams in Deutschland vorbei

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In Deutschland wird über eine Moscheesteuer diskutiert: So soll sich der Islam von der Einflussnahme ausländischer Staaten emanzipieren. Der Journalist Eren Güvercin hält dieses Mittel für völlig falsch – auch wenn er das angestrebte Ziel unterstützt.

Erst sollte es eine Moscheesteuer sein, die der Staat für „seine“ Muslime erheben soll. Jetzt ist die Rede von der Zakat – der Armenabgabe zu der die Gläubigen verpflichtet sind – , die an den Staat abzuführen ist. Fortan sollen Muslime, wie die Christen, quasi Mitgliedsbeiträge erheben und der Staat würde beim Eintreiben helfen. Klingt einfach, praktikabel und gerecht. Die Vorschläge haben allerdings mehrere Haken. Weiterlesen

Den Identitären zum Trotz: Deutsche Heimat, deutsche Muslime

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Der Begriff eines „deutschen Islam“ hat den Beginn der neuen Auflage der Deutschen Islam Konferenz dominiert. Dabei wird einem sehr schnell klar, dass die unterschiedlichen Akteure etwas anderes in diese Begriffskonstruktion hineininterpretieren.

Ich hatte bereits 2012 in meinem Buch Neo-Moslems – Porträt einer deutschen Generation versucht die Lebensrealität der jungen Generation deutscher Muslime zu beschreiben. Einer Generation, die in Deutschland ihre Heimat sieht und das Migrantendasein und die Vorstellung, in einer Art Diaspora zu leben, lange schon überwunden hat. Diese Realität wollen ganz unterschiedliche Akteure immer noch nicht wahrhaben. Sie flüchten sich in Scheindebatten, weil es ihrem Weltbild nicht passt. Weiterlesen