Die unangenehme andere Seite der Medaille

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Am Samstag fand auf dem Heumarkt in Köln eine große Solidaritätsdemonstration statt. Die AABF wollte damit die Proteste auf dem Taksim-Platz in Istanbul unterstützen. Es war eine friedliche Demonstration. Auch Vertreter einiger deutscher Parteien waren anwesend. Die Polizei sprach von etwa 30 000 Teilnehmern. Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere Seite vermittelt allerdings ein etwas anderes Bild. Unter den Demonstranten waren auch Kader links-extremistischer Gruppen präsent, u.a. TIKKO und die MLKP. Als sich die Versammlung auflöste und Richtung Bahnhof aufmachte, bekam ich interessante Gespräche mit. Es wurde hitzig über den amerikanischen Imperialismus diskutiert. Erdogan habe sich zum Handlanger des amerikanischen Imperialismus gemacht. Er sei Obamas Schoßhündchen hieß es. In der Bahn saß ich später zufällig mitten in einer Gruppe von türkischen Linksextremisten. Von Demokratie und Freiheitsrechten war nicht viel die Rede, dagegen aber von Guerillas und dem bewaffneten Kampf. Irgendwie kamen mir diese Menschen deplaziert vor, wie von einer anderen Welt, einer anderen Zeit. Neben mir saß eine junge Aktivistin, etwa Mitte 20. Sie ist erst seit kurzem in Deutschland. Die älteren Herren klärten sie auf, was sie vor den deutschen Behörden sagen müsse, damit sie politisches Asyl bekommen könne. O-Ton: „Du muss den Deutschen vorgaukeln, dass du gegen den bewaffneten Widerstand bist. Die merken eh nichts. Die haben keine Ahnung, was wir wirklich wollen.“ Die junge Frau hat es erst nicht glauben wollen. Als einer der beiden Männer aber seine Story erzählte, wie er vor Jahren durch diese Vorgehensweise sein politisches Asyl erschlichen habe, hat sich die junge Frau über die Naivität der deutschen Behörden köstlich amüsiert.
Die Naivität gegenüber den Demonstranten ist erschreckend. Ohne alle Demonstranten in eine Ecke zu drängen, darf man aber auch nicht die Augen davor verschließen, dass extremistische und gewaltbereite Aktivisten diese Proteste ausnutzen und mit auf diesen Zug springen, sowohl in der Türkei als auch bei uns in Deutschland. Ich frage mich, ob die AABF, die sich als Vertreter der Aleviten in Deutschland sieht, sich von diesen gewaltbereiten Gruppen distanziert oder nicht.

Während ich noch mit einem Ohr der Revolutionsromantik aus längst vergangenen Zeiten steinzeitkommunistischer Prägung lauschte, stellte ich mit vor, wie die deutsche Öffentlichkeit darauf reagieren würde, wenn z.B. Muslime etwa gegen das lange Jahre existierende Kopftuchverbot an türkischen Universitäten demonstriert hätten, in denen auch militante, dschihadistische Salafisten teilgenommen hätten? Zurecht würde man von den Organisatoren eine Distanzierung von Gewalt und Extremismus fordern.

Wie steht wohl die AABF zu diesen terroristischen Gruppen, die an den Demonstrationen teilgenommen haben und offen ihre Präsenz mit Fahnen etc. gezeigt haben? Und wieso findet man in den deutschen Medien nichts über diese Unterwanderung?

Das zu erfahren ist das Recht der deutschen öffentlichkeit.

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1 Kommentar

  1. droida says

    „Das zu erfahren ist das Recht der deutschen öffentlichkeit.“

    Die Frage ist, WILL die deutsche Öffentlichkeit überhaupt darüber etwas erfahren. Man hat doch auch den jahrelangen Terror der PKK als „Rebellion“ verstanden und nicht als Terrorismus.

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