Unser schlechtes Image

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Der Koordinationsrat der Muslime hat versagt. Es koordiniert außer der Versendung inhaltsleerer Pressemitteilungen gar nichts.

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Das hat nichts mit dem Islam zu tun: Diesen Satz hört man immer wieder von muslimischen Funktionären und Verbandsvertretern. Nach den Anschlägen von Paris und auch nach den Vorfällen an Silvester in Köln. Mittlerweile fühlen sich nicht wenige Menschen davon genervt. Ich bin nicht verwundert, dass die Muslime in Deutschland mittlerweile ein schlechtes Image in der Öffentlichkeit haben. Dies nur auf die tendenziöse Berichterstattung der Medien zu schieben, wirkt wie eine Ausrede. Man will immer die anderen dafür verantwortlich machen. Verfehlungen oder Fehler auf der eigenen Seite darf es nicht geben.

Nein, wir Muslime müssen uns mit bestimmten Problemen und Fragen auseinandersetzen. Das hat nichts mit Andienen zu tun, sondern entspringt der Verantwortung, einerseits den Islam als Glauben zu verteidigen und andererseits in eine Diskussion mit Andersdenkenden einzutreten – mit wem denn auch sonst?

Wer aber kann seine Positionen zu aktuellen Fragen und Problemen formulieren? Funktionäre sind Politiker, das liegt in der Natur der Sache. Wir brauchen aber kein Politiksprech von muslimischen Verbandsfunktionären. Das bekommen wir von den politischen Parteien schon genug zu hören. Wir brauchen Akteure, die in der Lage sind, Positionen zu formulieren, die auf der islamischen Denktradition und Lehre basieren. Wir brauchen muslimische Gelehrte und Intellektuelle, die, aus dem Islam heraus argumentierend, zu aktuellen Fragen Stellung beziehen. Inhaltsleere Aussagen wie „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“ oder das freiwillige Anlegen eines politisch korrekten Korsetts helfen nicht dabei, Ressentiments und Vorurteile zu mindern, sondern stärken sie erst recht.

Vor einigen Monaten haben sich 126 muslimische Gelehrte aus der ganzen Welt durch einen offenen Brief klar gegen den IS positioniert. Es fällt auf, dass es in Deutschland keine muslimischen Gelehrten gibt, die auf diese Weise öffentlichkeitswirksam das Wort ergreifen. Aber die Öffentlichkeit und auch die muslimische Community in Deutschland wünschen sich solche Stimmen. Gibt es diese Gelehrten, und, wenn ja, warum kommen diese nie zu Wort? Es gibt sie. Aber ihre fehlende Sichtbarkeit hängt wohl damit zusammen, dass Funktionäre Politiker sind, die eine klare Haltung eines muslimischen Gelehrten als etwas Bedrohliches auffassen, da es ihr politisches und damit beliebiges Handeln erschwert. Diese Denker und Gelehrten sollen unsichtbar bleiben.

Man hört oft, dass die muslimischen Verbände sogenannte Gelehrtenräte konsultieren. Gesehen oder gelesen hat man von ihnen bisher nichts, etwa wenn es um eine klare Positionierung zum Wahhabismus/Salafismus-Komplex geht.

Der Koordinationsrat der Muslime als ein Zusammenschluss aller großen muslimischen Verbände hat in diesem Punkt versagt. Ein Blick auf den Internet-Auftritt dieses Koordinationsgremiums zeigt nur eins: Es koordiniert außer der Versendung inhaltsleerer Pressemitteilungen gar nichts. Von einer fundierten Behandlung wichtiger Themen durch Gelehrte, die auch eine Wirkung hätten, ist nichts zu sehen. Wenn der KRM nicht in der Lage ist, sich inhaltlich in gesellschaftliche Debatten einzubringen und eine muslimische Position zu formulieren, warum gibt es ihn noch?

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