11 unverschämte Ramadan-Fragen an einen Moslem

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Die Hälfte des Ramadans ist geschafft – noch bis zum 24. Juni müssen Muslime tagsüber fasten. Wir haben den Autor und Journalisten Eren Güvercin nach seinem Zustand befragt.

Von Sebastian Dalkowski

bosnien

Öffentliches Fastenbrechen in Konjic, Bosnien

Ich hatte heute schon zwei Brötchen, einen Kakao und eine Flasche Wasser. Und Sie?

Eren Güvercin Kakao trinken doch nur Grundschüler. Also ich hatte heute früh vor Sonnenaufgang Bio-Dinkel-Vollkorn-Cornflakes mit Bananen und Datteln. Dazu habe ich noch etwas Wasser getrunken.

Die Frage nervt Muslime, deshalb stelle ich Sie: Wasser ist tagsüber auch nicht erlaubt? Wirklich nicht?

Güvercin Ja, wirklich nicht. Und ich komme damit einigermaßen gut zurecht. Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig der menschliche Körper auskommt. Das fasziniert einen immer wieder im Ramadan.

Ihr großes Laster ist Kaffee – wie kommen Sie momentan so aus dem Bett?

Güvercin Das mit dem Kaffee ist schon eine Herausforderung für mich. Normalerweise fängt mein Tag mit zwei bis drei Espressi an. Dazu noch die eine oder andere Zigarette. Der Koffein- und Nikotinentzug ist in den ersten beiden Tagen des Fastenmonats schon heftig. Da habe ich schon mal Kopfschmerzen, bin nicht ganz bei der Sache. Aber auch darauf stellt sich der Körper schnell ein. Spätestens am dritten Tag bin ich im Flow und komme sehr gut klar damit. Und aus dem Bett komme ich – wie ich jeden Ramadan merke – auch ohne Aufputschmittel wie Kaffee ganz gut.

Die Sonne geht heute um 21.49 Uhr unter – was lässt Ihnen jetzt schon das Wasser im Mund zusammenlaufen?

Güvercin Der Geruchssinn ist sehr geschärft im Ramadan. Ich nehme sogar den Kaffeeduft aus einem Coffee-to-go-Becher am Ende des Abteils in der Bahn wahr. Ansonsten muss ich aufpassen, am Nachmittag nicht im Supermarkt einzukaufen. Denn dann kaufe ich unsinnigen Kram ein, den ich später eh nicht essen werde.

Wann haben Sie das letzte Mal gepfuscht?

Güvercin Gepfuscht habe ich noch nie. Aber es ist mir einmal passiert, dass ich total vergessen hatte, dass ich faste. Auf dem Tisch lag etwas zum Naschen, ich griff zu, und merkte erst, als es zu spät war, dass ich faste. Aber das ist halb so wild, denn es bricht nicht das Fasten, da es nicht mit Absicht geschah. Ich faste dann einfach weiter. Sobald aber gesundheitliche Probleme auftauchen, bin ich sowieso vom Fasten befreit, und muss nicht pfuschen. Stattdessen hole ich das Fasten wieder nach, wenn ich gesund bin, oder aber ich spende für die ausgelassenen Tage an bedürftige Menschen.

Meinen Sie, Allah bekommt mit, ob Sie heimlich ein Snickers essen?

Güvercin Snickers auf leeren Magen ist nicht gerade reizvoll… Und wenn ich es mitbekomme, bekommt es der allwissende Schöpfer wohl erst Recht mit.

Ich wette, Sie können mir nicht erklären, was es mit diesem Ramadan überhaupt auf sich hat.

Güvercin Ein Muslim fastet für Allah. Es ist ein gesegneter Monat, in dem die Offenbarung des Korans an den Propheten Muhammad begann. Das Fasten ist ein Bestandteil von vielen Praktiken, um die Spiritualität dieses Monats unmittelbar zu spüren. Sowohl körperlich als auch geistig.

Ihr bester Trick, um nicht ans Essen zu denken?

Güvercin Ich habe keinen Trick. Ich glaube auch, dass es da keinen Trick gibt. Wenn ich Hunger habe, dann habe ich Hunger, und da denke ich hin und wieder ans Essen.

Sie sind nicht gerade von großer Körperfülle – haben Sie überhaupt Reserven?

Güvercin Wir unterschätzen zu oft, wie groß unsere Reserven doch sind, und mit wie wenig wir auskommen. Ich weiß nicht, wie das Fasten für etwas fülligere Menschen ist, ich komme bestens mit meinen Reserven aus. Ich denke, dass es für etwas schlankere Menschen sogar einfacher ist.

Ihre Frau kocht alles und Sie setzen sich nur noch an den gedeckten Tisch, richtig?

Güvercin Nein, ich habe ja vier Frauen, wie es sich für einen Muslim gehört. Die haben den ganzen Tag nichts anderes zu tun als zu kochen. Am Abend gibt es ein üppiges 6-Gänge-Menü und wir essen uns ins Koma. Nein, man hat oft ganz falsche Vorstellungen vom Ramadan. Viele denken, dass Muslime am Abend sehr viel essen, da sie den ganzen Tag gefastet haben. So ist es überhaupt nicht. Auch in diesen langen Sommertagen, wo man bis zu 18 Stunden fastet, ist man sehr schnell satt. Nach einer warmen Suppe, etwas Salat und Wasser kann ich kaum noch etwas essen.

Was machen eigentlich die Moslems in Skandinavien, wo die Sonne gerade nicht untergeht – einen Monat hungern?

Güvercin Für solche Regionen gibt es im islamischen Recht eine ganz simple Regelung: Jene Muslime, die in Regionen leben, wo die Sonne nicht untergeht, halten sich an die Fastenzeiten von Mekka.

http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/11-unverschaemte-ramadan-fragen-an-einen-moslem-aid-1.6878849

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