Beim Thema Antisemitismus überwiegen die Reflexe

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In Berlin versammelte sich nach der Entscheidung Trumps Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen ein antisemitischer Mob, skandierte judenfeindliche Parolen und verbrannte die israelische Fahne. Seitdem haben wir wieder eine Debatte über den Antisemitismus in unserer Gesellschaft. Das suggerieren uns die Wortmeldungen seitens der Politik und Vertreter der Zivilgesellschaft, die wir seit einigen Tagen den Medien entnehmen können.
Aber führen wir wirklich eine Debatte über den vorherrschenden Antisemitismus? Oder arbeiten sich verschiedene Akteure wegen den aktuellen Geschehnissen lediglich oberflächlich und demonstrativ an diesem Thema ab, ohne wirklich sich mit der Problematik zu beschäftigen? 
Den Eindruck kann man sehr schnell bekommen, wenn man die Reflexe sowohl seitens einiger deutscher Politiker und auch Vertreter einiger muslimischer Organisationen verfolgt. Auf der einen Seite sprechen Jens Spahn und andere Politiker von einem „importierten Antisemitismus“, heizen die Flüchtlingsdebatte wieder an, und schaffen damit indirekt den Eindruck, als ob das eigentliche Problem in Deutschland ein „muslimischer Antisemitismus“ sei. Die Realität – und das dürfte gerade den politischen Akteuren von CDU bis AfD klar sein – ist, dass sowohl die antisemitischen Straftaten in Deutschland als auch das real existierende antisemitische Gedankengut überwiegend aus einer Ecke kommen: aus dem rechtsextremen, identitärem Lager.

Auf der anderen Seite beobachtet man auch bei vielen muslimischen Organisationen und Individuen die üblichen Reflexe, wenn ein Antisemitismus unter Muslimen thematisiert wird, erst recht nach so einem Auftritt von muslimischen Antisemiten am Brandenburger Tor. Ja genau. Es gibt auch muslimische Antisemiten. Antisemiten sind nicht nur Glatzköpfe mit Springelstiefel und Hitlergruß. Es gibt auch Muslime, die gerne den Nahost-Konflikt heranziehen, von einem Unrecht sprechen, um gleichzeitig das als Legitimation heranzuziehen, um gegen Juden insgesamt zu wettern und dabei Allahu Akbar schreiend Fahnen zu verbrennen. Dazu kann man, nein muss man als Muslim eine klare Haltung zeigen, und eben nicht wieder gewohnt beleidigt reagieren, wie des öfteren in den letzten Tagen geschehen. Nämlich in dem man sich wundert über die Medienaufmerksamkeit auf den antisemitischen Mob in Berlin, und gleichzeitig beklagt, dass auch Islamfeindlichkeit ein Übel sei, was gemeinsam mit dem Antisemitismus bekämpft werden müsse. Solche und ähnliche Äußerungen zeigen die mangelhafte Bereitschaft mancher sich mit antisemitischen Stereotypen und Hass innerhalb der muslimischen Community ernsthaft auseinanderzusetzen. Hier geht es nicht darum, sich irgendjemandem anzudienen – denn dieser Vorwurf kommt immer, wenn Muslime problematische Themen aufgreifen – es geht nicht darum, das Leid der Palästinenser und ihre legitime Forderung nach elementaren Rechten kleinzureden. Sondern es geht um eine Aufarbeitung dessen, was seit Jahrzehnten in der islamischen Welt an ideologischem Hass und Verblendung real existiert. Das Ganze wird dann auch von Terrororganisationen wie der Hamas unter einem religiösen Deckmantel den Muslimen präsentiert.

Die Debatte über ideologisch motivierten Hass wie Antisemitismus und Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft ist zu wichtig, um sie über Reflexe abzuhandeln. Nein, wir brauchen eine ehrliche Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen. Da hilft es eben nicht, wenn Politiker, die jetzt mit dem Finger auf den antisemitischen Mob am Brandenburger Tor zeigen, und von einem importierten Antisemitismus sprechen, aber man von ihnen nichts hört, wenn Jahr für Jahr die antisemitischen Straftaten aus dem rechten Lager zunehmen.
Und die Pressemitteilungen von muslimischen Organisationen, die Antisemitismus in allgemeinen Worten von sich weisen, weil es gerade aktuell erforderlich ist, sind leider auch nur Reflexe, die nicht das Grundübel ins Visier nehmen. Denn gerade der Nahost-Konflikt beeinflusst seit Jahrzehnten das Denken vieler Muslime, weil dieser politische Konflikt fast zu einem Kernbestandteil der Religion gemacht, ja quasi islamisiert wurde, so als ob dieser Konflikt die sechste Säule des Islams sei. Und man beobachtet das absurde Phänomen, wie manche Muslime, die den Antisemitismus klar von sich weisen, gleichzeitig vor lauter Bewunderung Herzrasen bekommen, wenn Hamas-Steinzeitideologen in Propagandavideos ihrem Hass Ausdruck verleihen. Die Haltung „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ führt in eine falsche Richtung!

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