#Christchurch

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Die zentrale Frage, die sich nach Terrorangriffen wie in #Christchurch stellt, ist, wie wir als Gesellschaft, Politik und Medien damit umgehen. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer twitterte: „Egal gegen wen sich Hass, Gewalt und Terror richten, am Ende sterben Menschen, verlieren Kinder ihre Eltern und Eltern ihre Kinder. Dafür kann es keine Erklärung und darf es nie Entschuldigung geben. Im Gedenken an Opfer in Christchurch nie einen Zweifel daran aufkommen lassen.“

Diese und ähnliche Stellungnahmen seitens der Politik sind bestimmt nicht der richtige Umgang mit dieser Form des Terrors. Man flüchtet sich in Floskeln, statt die Tatmotive beim Namen zu nennen. Wir haben es hier mit einem Terror zu tun, der gespeist wird vom Hass gegen Muslime. Dies muss man auch klar so benennen. Wenn man es nicht beim Namen nennt, wie es Bundeskanzlerin Merkel im Gegensatz zu Kramp-Karrenbauer sehr deutlich gemacht hat, kann man auch nicht das Problem wirklich angehen.

Ähnliche Reflexe gibt es auch auf unserer muslimischen Seite, wenn ein muslimischer Terrorist einen Anschlag verübt. Wir spulen dann auch nicht selten Floskeln herunter – Islam ist Frieden, Terror kennt keine Religion etc. Ja, Terror kennt keine Religion, aber Terror zieht Religion als Pseudo-Legitimation heran. Ob es nun der Attentäter vom Breitscheidplatz ist oder der Attentäter von Christchurch. Sie bedienen sich an der Religion. Und dem muss man aktiv entgegenwirken mit einer klaren Positionierung, nicht mit Floskeln!

Wenn man sich die islamkritischen Bestseller-AutorInnen und AktivistInnen anschaut, findet man ebenfalls sehr allgemein formulierte Statements, und manche äußern sich gar nicht dazu. Selbst diejenigen, die sich geäußert haben auf Twitter oder Facebook vermeiden es penibel das zentrale Tatmotiv des Terroristen ganz klar zu benennen. Warum eigentlich? Ist es denn nicht möglich islamkritisch zu sein, aber auch ganz klar Islamfeindlichkeit und Islamhass beim Namen zu nennen? Oder sorgt man sich darüber, dass man die eigene Gefolgschaft verprellt? Wer von Muslimen eine klare und unmissverständliche Positionierung gegen muslimische Extremisten immer und immer wieder fordert, sollte für sich die gleichen Maßstäbe ansetzen.

Und wie gehen wir als Muslime mit Christchurch um? Manche reden von einem ‚christlichen Terror’, während sie selber sich – zu Recht – darüber empören, wenn in einem anderen Kontext von einem ‚islamischem Terror’ die Rede ist. Während wir uns immer darüber aufregen, wie AfD und Konsorten jeden Anschlag, der tatsächlich oder vermeintlich von muslimischen Extremisten verübt wurde, dafür instrumentalisieren, um Ressentiments und Hass gegenüber Muslime zu schüren, und als Beleg für den „Untergang Europas durch Überfremdung“ sehen, gibt es auch in unserer Community Akteure, die wie die AfD diesen Anschlag instrumentalisieren, um Ressentiments innerhalb der Community gegen ‚den Westen’, Deutschland, die Gesellschaft, in der sie leben zu schüren, teils mit absurden Verschwörungstheorien und Hassparolen.

Wir müssen uns als Gesamtgesellschaft aber auch als muslimische Community uns mit dieser Problematik ernsthaft auseinandersetzen. Und als Muslime müssen wir auch darauf schauen, dass wir nicht mit ähnlichen Reflexen oder ähnlichem Kalkül wie Afd und Identitäre darauf reagieren. Und Muslime, die mit einem ähnlichem Kalkül agieren, müssen wir offen und klar widersprechen, denn insbesondere in den sozialen Medien werden junge Muslime durch diese Akteure vergiftet.

Wie AfD und Konsorten sich jedesmal einen Anschlag von muslimischen Extremisten fast schon herbeisehnen, sobald es eine Breaking News über einen Vorfall gibt, hat man auch bei einigen Akteuren bei uns Muslimen das Gefühl, dass sie sich einen Terroranschlag wie in Christchurch fast schon herbeigesehnt haben. Das klingt pervers und ist es auch, aber die Art und Weise wie manche darauf reagieren und dies ausschlachten, lässt keinen anderen Schluss zu. Der ideologische Blick, das Schwarz-Weiß-Denken, das Denken, dass man dem Anderen überlegen ist aufgrund der kulturellen, ethnischen Herkunft, ist auch bei einigen Muslimen vorhanden, die das zusätzlich auch noch versuchen ‚religiös’ zu unterfüttern.

Diesen Akteuren hüben wie drüben müssen wir uns als Gesamtgesellschaft, Politik, Medien und auch als muslimische Community klar entgegenstellen, in dem wir auch mit klaren Begriffen und einer klaren Terminologie diese Phänomene nicht nur beschreiben sondern auch beim Namen nennen. Wir müssen insbesondere den jungen Menschen eine Alternative zeigen, wie man mit diesen Phänomenen umgeht, um so den Identitären beider Seiten nicht die Möglichkeit zu geben, sie mit ihrem Gedankengut und mit ihren Narrativen zu vergiften. Wohin das führen kann, haben wir wieder einmal in Christchurch gesehen.

„Wisdom lies in marginalizing fanaticism, not being its mirror image. „

 

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