Ein Buch mit sieben Siegeln? – Die Bedeutung des Korans für die Muslime

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Über den Koran wird zurzeit so viel behauptet und verbreitet, wie über kein anderes Buch. Aber wie ist eigentlich der Umgang der Muslime mit dem Koran? Was für eine spirituelle Rolle spielt er für sie? Und: wie können überhaupt Bedeutungen und Handlungsanweisungen aus dem Koran abgeleitet werden? Mein Zündfunk-Generator-Radiofeature über den Koran.

Das Auswendiglernen des Korans hat bei Muslimen eine große Bedeutung. Seit über 1400 Jahren wird der Koran in einer Überlieferungskette von Lehrer zu Schüler übermittelt.

Das Auswendiglernen des Korans hat bei Muslimen eine große Bedeutung. Seit über 1400 Jahren wird der Koran in einer Überlieferungskette von Lehrer zu Schüler übermittelt.

Für Muslime ist es das unmittelbare Wort Gottes und spirituelle Anleitung. Der Koran hat im Leben praktizierender Muslime einen einzigartigen Stellenwert. Seine Rezitation wird als segensreich erachtet und bringt göttlichen Lohn.

Manche Politiker fordern eine staatlich anerkannte Einheitsübersetzung des Korans, andere wiederum eine „zeitgemäße, liberale Korandeutung“. Doch was steckt genau hinter solchen Forderungen, die auf den ersten Blick sympathisch klingen mögen? Es ist – und das wird meist übersehen – ein Phänomen der Moderne, dass ein Koranvers nur auf eine Bedeutung begrenzt wird:

„Das sehen Sie jetzt ganz klar bei solchen Strömungen wie dem Islamischen Staat, eine eigentlich politische Bewegung. Da ist es klar, dass man eine möglichst radikale Auslegung des Korans machen muss, und dabei aber andere Koranstellen, die das eigentlich nicht zulassen würden, schlichtweg übergeht. Es wird also eine sehr einseitige Koranauslegung gemacht. Andererseits: Bei manchen sich liberal nennenden Theologen hat man auch oft das Gefühl, dass man jetzt zu dieser oder jenen bestimmten Koranauslegung kommen muss, weil das gesellschaftlich so gewollt wird.“ (Thomas Bauer, Professor für Islamwissenschaften und Arabistik, Universität Münster)

Es besteht bei jeder Schrift die Gefahr, dass sie politischen oder ideologischen Zielen unterworfen wird. Daher hat sich in den über 1.400 Jahren des Islam eine Methodologie entwickelt, um einer Instrumentalisierung entgegenzuwirken.

„Man versucht im Islam diese Fehleranfälligkeit möglichst durch zwei Faktoren zu begrenzen. Der eine Faktor ist Wissen und der andere Faktor ist die Absicht. Es gibt diesen Ausspruch des Propheten: Alle Taten sind entsprechend ihrer Absichten zu bewerten. D.h. jeder Mensch, der den Koran zeitgenössisch interpretiert, soll sich zunächst einmal Gedanken darüber machen, welche Absicht habe ich dabei. Will ich es zum Wohle der Menschheit machen, will ich es mit der Absicht des Gehorsams gegenüber Gott machen, oder will ich es machen, um irgendeinen Lehrstuhl zu bekommen, oder um mich in der Öffentlichkeit beliebt zu machen? Diese Motivationen sind menschlich, aber es ist wichtig für jemanden, der sich mit dieser Materie beschäftigt, seine Absicht möglichst rein zu halten, und sich zu fragen, ob er die notwendigen Instrumente dafür hat, die ihn dazu befähigen.“ (Martin Mahmud Kellner, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Islamische Theologie, Universität Osnabrück)

Der Koran und das Leben des Propheten sind zwei Faktoren, die jeden Muslim prägen. Sie prägen das Verhalten, die Mitmenschlichkeit, den Charakter, im Grunde genommen sein ganzes Leben. Aber eben nicht so negativ, wie wir uns das vielleicht oft aufgrund der medialen und politischen Debatten über Muslime und den Koran vorstellen, sondern in einer viel tiefergehenden, positiveren und spirituellen Art und Weise.

Das Radiofeature kann man online unter folgendem Link hören:

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/kolumnen-sendungen/generator/zuendfunk-generator-koran-ein-buch-mit-sieben-siegeln-100.html

Das Skript zur Sendung kann man sich hier herunterladen:

http://www.br.de/radio/bayern2/service/manuskripte/manuskripte-zuendfunk-generator-364.html

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